Hohe Anforderungen. Hoher Druck. Verschiedene Studien zeigen deutlich, wie Führungskräfte im Job leiden: Vier von fünf sind emotional erschöpft und geraten immer häufiger an ihre Grenzen. Damit sind die Zahlen höher als bei Angestellten ohne Führungsverantwortung. Rund ein Drittel der Führungskräfte gibt zudem an, die Arbeitszeiten regelmäßig zu überschreiten. Wer laufend so überfordert ist, ist nicht imstande, andere gut zu führen. Wir zeigen, wie es besser geht.
Das sind die aktuellen Herausforderungen für Führungskräfte
Die Arbeitswelt ist durch verschiedene Einflüsse im Wandel: Digitalisierung mit KI als Speerspitze, neue Arbeitsmodelle, neue auf den Arbeitsmarkt drängende Generationen und veränderte Erwartungen jüngerer Fachkräfte an Führung verlangen Flexibilität und Umdenken.
Konkret sind es folgende Punkte, die aktuell den Führungskräften das Leben verkomplizieren:
- hoher Erwartungsdruck
- unklare Rollendefinition
- Führung auf Distanz
Diese Punkte sind wenig greifbar und belasten daher umso mehr. Mit allen können Sie aber umzugehen lernen – die Lösung ist wie so häufig Kommunikation.
Minimieren Sie den Erwartungsdruck
Eine Führungskraft wird mit unterschiedlichen Erwartungen konfrontiert:
- Der Chef stellt Sie für bestimmte Aufgaben ein.
- Die Mitarbeitenden haben bestimmte Vorstellungen, mit welchen Anliegen sie zu Ihnen kommen können.
- Sie selbst legen Maßstäbe an, die Sie erfüllen möchten.
Sie müssen Ergebnisse liefern, Deadlines einhalten, dafür sorgen, dass der Arbeitsalltag problemlos läuft. Gleichzeitig müssen Sie Fragen beantworten, Konflikte lösen, Hilfestellungen bieten, sich mit Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit Ihres Teams auseinandersetzen, die von innen und außen kommen können. Ihre eigenen Vorstellungen wollen ebenfalls erfüllt werden – und das alles in der vorgegebenen Arbeitszeit.
In viel zu vielen Fällen nehmen Führungskräfte diese Punkte einfach an, versuchen, es allen recht zu machen, und scheitern schließlich auf ganzer Linie. Wichtig ist es hier, Klarheit und Sicherheit zu schaffen, Grenzen zu ziehen und neue Räume zu eröffnen. Dafür müssen Sie priorisieren.
Praxistipps: Dieser Punkt ist der größte Hebel, um sich selbst und damit auch andere besser zu führen. Es gibt vor allem drei Stellschrauben, an denen Sie drehen können.
1. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Chef oder Team
Beobachten Sie Ihren Workload. Stellen Sie fest, dass Sie Ihren Aufgaben innerhalb der Arbeitszeit trotz guter Organisation nicht nachkommen können, vereinbaren Sie einen Termin beim Chef – oder suchen Sie das Gespräch mit anderen Führungskräften oder externen Beratenden, falls Sie auf dem höchsten Führungslevel agieren.
- Legen Sie genau dar, wie viel Zeit welche Aufgaben in Anspruch nehmen.
- Finden Sie gemeinsam einen Weg, wie Sie den Workload bewältigen können – durch Neuverteilung oder Delegieren.
Auch Ihr Chef kann kein Interesse daran haben, dass Sie ausbrennen und lange Zeit ausfallen. Es ist seine Aufgabe, einen Rahmen zu schaffen, in dem Sie gut für sich und Ihr Team performen können.
2. Zeit fürs Team blocken
Blocken Sie in Ihrer Tagesplanung immer etwas Zeit, in der die Mitarbeitenden zu Ihnen kommen und Dinge erfragen oder um Hilfe bitten können. Wenn es dringend ist, können Sie sie nicht einfach auf den nächsten Tag vertrösten. Sie sind die Person, zu der die Teammitglieder kommen können müssen, wenn etwas sie bedrückt. Das ist nicht verhandelbar.
3. Maßstäbe laufend prüfen
Überprüfen Sie Ihre Maßstäbe. Ist Ihr Anspruch an sich selbst, dass Sie alles immer hundertprozentig erledigen, alles im Blick haben und mit Ihren Ergebnissen bis ins Detail glänzen, werden Sie immer unzufrieden sein und sich überarbeiten.
Überarbeiten Sie Ihre Rollendefinition transparent
Viele Führungskräfte leiden darunter, dass nicht komplett klar ist, wie ihre Rolle eigentlich aussieht. Das ist oft auch schwierig, da sich dieses Rollenbild in einem permanenten Wandel befindet. Vor allem ältere Führungskräfte, die hierarchische Strukturen gewöhnt sind, kommen bei den Ansprüchen jüngerer Teammitglieder oft auf Ungewohntes. Der Wandel vollzieht sich meist für eine Seite zu schnell und für die andere nicht schnell genug.
Für gute Führungskräfte bleibt allerdings nur die Anpassung an die aktuellen Ansprüche, etwa:
- Unterstützung beim eigenverantwortlichen Arbeiten statt Anweisungen ohne nähere Erklärung
- eher freie Hand beim Erreichen der Ziele als strikte Vorgaben und genaue Überprüfung
- ein offenes Ohr für Probleme der Mitarbeitenden, die ihre Leistungsfähigkeit einschränken
- Unterstützung für diejenigen, die gern Karriere machen möchten
Kurz: Führungskräfte sind weniger zum Befehlen da und mehr für Hilfestellungen und Austausch. Sie müssen ansprechbar sein, ohne sich komplett aufzureiben.
Praxistipp: Teilen Sie Ihrem Team mit, wie Sie Ihre Aufgaben sehen. Bitten Sie dazu um Feedback, denn es kann durchaus sein, dass Sie etwas übersehen, was dem Team wichtig wäre. In regelmäßigen Feedback-Gesprächen können Sie nicht nur den Mitarbeitenden Ihre Eindrücke schildern und mit ihnen Pläne entwickeln, sondern auch selbst Rückmeldungen einholen. Bleiben Sie kommunikativ, ziehen Sie aber bestimmte Grenzen: Nach Feierabend oder im Urlaub sollte zum Beispiel niemand bezüglich der Arbeit kontaktiert werden – auch Sie nicht.
Stellen Sie Nähe her, wenn Sie aus der Distanz führen
Viele Führungskräfte sind überfordert damit, ein Team gut anzuleiten, das sich nie oder kaum sieht. Im Büro hingegen ist das vergleichsweise einfach: Sie erzählen vom Wochenende an der Kaffeemaschine, besprechen schnell offene Fragen zur neuen Aufgabe am Arbeitsplatz des oder der Mitarbeitenden oder gehen mit dem Team mittags in die Kantine.
Man ist in Kontakt, bekommt etwas von den anderen mit, unterhält sich, lacht. Das knüpft Bande. Alle diese Möglichkeiten haben Sie nicht, wenn Ihre Mitarbeitenden im Homeoffice arbeiten.
Praxistipps: Vereinbaren Sie regelmäßige Gesprächstermine, bei denen offene Fragen geklärt, Ziele vereinbart und Anmerkungen gemacht werden können. Darüber hinaus sollten die remote Arbeitenden während der Arbeitszeit die Möglichkeit haben, Sie schnell und unkompliziert zu erreichen, wenn sie eine Frage zu aktuellen Aufgaben haben.
Vernetzen Sie bestimmte Mitarbeitende aus dem Team – idealerweise solche, die sich gut verstehen und die erfolgreich zusammenarbeiten. Sie sollen sich zu ihren Aufgaben austauschen, sich Feedback geben und sich unterstützen. Bei Teams mit vielen remote Arbeitenden kann es auch hilfreich sein, in regelmäßigen Abständen einen Teamcall durchzuführen.
Manche Aufgaben sind nicht zeitkritisch. Erlaubt Ihr Arbeitgeber, dass die remote Arbeitenden sie auch außerhalb der Bürostunden erledigen, müssen Sie aufpassen, dass Sie Ihre Grenzen wahren: Wird eine Frage erst nach Feierabend gestellt, antworten Sie nicht vor dem nächsten Arbeitstag. Lassen Sie die Grenze hier verschwimmen, ist das die direkte Ausfahrt in den Burnout!
Info: Mehr Tipps zur Remote Leadership finden Sie im verlinkten Beitrag.
Fazit: Definition und Abgrenzung für Selbstführung
Sie können als Führungskraft nur dann andere sinnvoll anleiten, wenn für Sie selbst Klarheit über Ihre Rolle, Ihre Aufgaben und Ihre eigenen Ansprüche herrscht. Dafür ist Kommunikation nötig: mit Ihrem Chef, Ihren Mitarbeitenden – und auch mit Ihnen selbst. Statt dem Bild nachzueifern, das Sie vielleicht von sich selbst haben, prüfen Sie den Ist-Status, was Sie leisten können und was Sie auf die Dauer krank macht.
Statt also alle Aufgaben und Ansprüche als gesetzt anzunehmen und sich selbst so zu verbiegen, dass Sie ihnen irgendwie gerecht werden, schauen Sie, was realistisch ist. In den meisten Fällen ist es eine Frage der Priorisierung, ob alles klappt oder nicht. Allerdings agieren Sie nicht im luftleeren Raum: Weder Ihre Vorgesetzten noch Ihre Mitarbeitenden können Sie einfach vor vollendete Tatsachen stellen.
Finden Sie gemeinsam eine gute Vorgehensweise, haben Sie eine solide Basis, von der aus Sie agieren können. Sie erlaubt es Ihnen, strukturiert vorzugehen und Ihrem Team gleichzeitig die Sicherheit und Unterstützung zu bieten, die es für eine gute Leistung braucht.
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