Der Fachkräftemangel nimmt in den letzten Jahren stark zu – in den Städten, aber noch mehr in ländlichen Regionen. Das bekommen auch Kommunalverwaltungen zu spüren: Es scheint einfach keine geeigneten Arbeitnehmenden mehr zu geben. Es gibt mehrere Gründe für diese Verschärfung, gleichzeitig aber auch Wege, trotzdem qualifizierte Mitarbeitende zu finden.
5 Gründe für den Fachkräftemangel auf dem Land
Viele der Gründe für den Fachkräftemangel auf dem Land verstärken sich gegenseitig:
- Demografischer Wandel: Altgediente Fachkräfte gehen in Rente, während viele junge Menschen Dörfer und Kleinstädte für das breitere Angebot an Arbeit, Bildung und Freizeitgestaltung in den Städten verlassen.
- Mangelnde Sichtbarkeit: Personalabteilungen versäumen es oft, ihre Vorteile als Arbeitgeber an den richtigen Stellen prominent zu platzieren.
- Fehlende Expertise: Bei einer geringeren Anzahl von Personen im arbeitsfähigen Alter ist auch die Anzahl der für den Job Geeigneten geringer.
- Fehlende Mobilität: Bei schlechtem Angebot des öffentlichen Nahverkehrs sind potenzielle Mitarbeitende darauf angewiesen, selbstständig zur Arbeitsstelle zu kommen.
- Fehlende Attraktivität: Vielleicht bietet Ihre Kommunalverwaltung für potenzielle neue Mitarbeitende auf den ersten Blick nicht viele Vorteile.
Am demografischen Wandel kann keine Kommunalverwaltung etwas ändern. Bei den anderen Punkten lohnt es sich allerdings, genauer hinzuschauen.
Mangelnde Sichtbarkeit: Lösungen
Bei Ihnen herrscht ein angenehmes Arbeitsklima, Sie bieten viele Extras und Vergünstigungen, sind bereit, Weiterbildungen zu bezahlen – und finden trotzdem niemanden? Dann liegt es wahrscheinlich daran, dass Sie als Arbeitgeber für die Zielgruppen nicht sichtbar sind.
Online…
Zeigen Sie sich dort, wo potenzielle Mitarbeitende unterwegs sind – etwa auf Social Media. Informieren Sie mit auf die Zielgruppen zugeschnittenen Kampagnen über die freien Stellen und über die Benefits, die Sie bieten.
Mögliche Plattformen sind die folgenden:
- TikTok – schnelle, kurze Videoschnipsel, auf den Punkt. An dieser Plattform kommen Sie für das Recruiting junger Fachkräfte nicht vorbei.
- YouTube – hier darf es etwas länger und ausführlicher sein. Sie können eine Videosammlung zu Ihrer Verwaltung anlegen, die zeitlose Infos umfasst.
- Instagram – eine der größten Plattformen. Arbeiten Sie mit Bildern, Reels und kurzen, informativen Beschreibungen.
- LinkedIn – vor allem interessant für Leute, die bereits im Arbeitsleben stehen. Auch Führungskräfte finden Sie eher auf LinkedIn
- Facebook – ein bisschen angestaubt, aber bei vielen Menschen noch immer beliebt. Hier wenden Sie sich eher an ältere, wechselwillige Arbeitnehmende.
Der Vorteil an Beiträgen auf diesen Plattformen ist, dass Sie die Menschen in ihrer Freizeit erreichen – wenn sie Muße haben, sich mit den Informationen auseinanderzusetzen. Je ansprechender die Beiträge gestaltet sind, desto eher folgen die Nutzenden den Links zu Ihrer Website.
Tipp: Nutzen Sie die sozialen Medien, sehen auch diejenigen Fachkräfte die Beiträge, die eigentlich gar nicht aktiv auf der Suche nach einem neuen Job sind. Diese sogenannten passiven Kandidatinnen und Kandidaten sind ein weites Feld an Arbeitskräften, die Sie über schlichte Stellenanzeigen auf einschlägigen Jobbörsen gar nicht erreichen.
… und offline
In Dörfern und Kleinstädten wissen Sie, wo Sie Ihre Fachkräfte finden können. Das Beste ist, sie gezielt dort anzusprechen, wo sie sind:
- Schülerinnen und Schüler finden Sie in den Schulen, aber auch auf Ausbildungsmessen – informieren Sie hier über Ihr Angebot.
- Verfassen Sie Aushänge für die (Fach-)Hochschulen umliegender größerer Städte, dass Sie Werkstudentinnen und -studenten suchen.
- Sie stellen in Teilzeit ein? Informieren Sie darüber in Aushängen im Abholbereich von Kindergärten! Viele junge Mütter würden gern in dem Umfang arbeiten, den die Kinderbetreuung ihnen lässt.
- Befestigen Sie Aushänge in Wohnheimen für Migrantinnen und Migranten sowie in den Räumlichkeiten, in denen Deutschkurse für sie gegeben werden: Informieren Sie sie über freie Stellen und bieten Sie ihnen die Übernahme der Sprachkurse an.
- Stellenanzeigen für Gärtnerinnen und Gärtner hängen Sie in Schrebergärten aus, für Trainerinnen und Trainer in Sport- oder Schwimmhallen und Vereinshäusern.
- Auch Aushänge am schwarzen Brett im örtlichen Supermarkt können Aufmerksamkeit auf sich ziehen – einkaufen müssen schließlich alle.
Zudem kann es hilfreich sein, mit einer regionalen Arbeitsvermittlung zusammenzuarbeiten. In manchen Fällen helfen vielleicht auch Agenturen weiter, die gezielt Fachkräfte aus dem Ausland anwerben.
Tipp: Mundpropaganda wirkt oft besser als teure Werbung – Programme wie „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“ können gute Ergebnisse bringen, wenn Sie als Arbeitgeber positiv wahrgenommen werden.
Fehlende Expertise: Lösungen
Schulungen und Weiterbildungen
Sie erhalten keine passenden Bewerbungen für die ausgeschriebenen Stellen, daher lassen Sie sie unbesetzt. In der Folge steigt der Druck auf die verbliebenen Mitarbeitenden. Fehler häufen sich, die Unzufriedenheit steigt, die Krankentage ebenfalls. Es ist an der Zeit, die Reißleine zu ziehen: Der nächste Schritt sind Kündigungen.
Laden Sie daher auch Bewerberinnen und Bewerber zum Vorstellungsgespräch ein, bei denen die Voraussetzungen lückenhaft sind. Finden Sie heraus, was sie antreibt und weshalb sie denken, dass sie trotzdem für die Stelle geeignet sein könnten.
Erfassen Sie genau, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten der jeweiligen Person fehlen, und loten Sie aus, wie Sie die Lücken durch Schulungen und Kurse schließen könnten. Menschen, die genau wissen, auf welches Ziel sie hinarbeiten, sind viel motivierter als solche, die sich nur für eine vage Möglichkeit weiterbilden.
Der Nachteil: Sie haben nicht sofort die geeignete Kraft, um die vakante Stelle auszufüllen. Die Vorteile: Es ist ein Ende der Durststrecke in Sicht und Sie werden wahrscheinlich eine loyale Arbeitskraft dazugewinnen – die meisten Menschen honorieren es, wenn man ihnen eine Chance gibt und sie fördert.
Praktika und Ausbildungen
Es gibt nicht genügend Fachkräfte? Dann bilden Sie sie selbst aus!
Im Rahmen von Schulpraktika gehen die meisten jungen Leute in Unternehmen in der Region – aber das muss nicht so sein. Informieren Sie gezielt an Schulen darüber, dass Sie ebenfalls Praktikumsplätze anbieten. Geben Sie Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit, in den Beruf hineinzuschnuppern. Erinnern Sie sie daran, dass sie nach ihrem Abschluss bei Ihnen die Ausbildung machen können.
In den aktuell unsicheren Zeiten, in denen junge Menschen einer ungewissen Zukunft entgegensehen, wirkt Stabilität sehr verlockend. Ein sicherer Job mit einem garantierten Einkommen, eine gute Ausbildung und die Aussicht darauf, langfristig bei der Kommune arbeiten zu können, wirkt auf einige junge Menschen verlockender als die volatile freie Wirtschaft.
Fehlende Mobilität: Lösungen
Durch die Tarifverträge sind Ihnen hinsichtlich der Bezahlung Ihrer Angestellten die Hände gebunden – Sie können sie nicht einfach mit sehr hohen Gehältern locken. Allerdings verbietet Ihnen niemand, ihnen anderweitige Vorteile zu bieten – etwa, um ihnen die Mobilität zu erleichtern. Beliebt ist etwa die Übernahme des Deutschlandtickets. Das bringt nur nicht viel, wenn es keine Busse und Bahnen gibt.
Sie können nicht allen Ihren Angestellten einen Dienstwagen zur Verfügung stellen. Das ist lediglich bei dienstlicher Notwendigkeit, im Außendienst oder bei Rufbereitschaft möglich. Allerdings können Sie Fahrrad-Leasing anbieten: Mit dem E-Bike können Mitarbeitende auch Arbeitswege von mehreren Kilometern Länge zurücklegen und tun gleichzeitig noch etwas für ihre Fitness.
Beispiel aus der Praxis: Stadt Bad Berleburg
Bad Berleburg in Westfalen ist eine Kleinstadt wie viele andere auch, und doch sticht sie mit ihren rund 18.500 Einwohnern hervor: Die „nachhaltigste Kleinstadt Deutschlands“ ist als Arbeitgeber nämlich ausgesprochen beliebt – und mit einem Blick auf die Website versteht man auch, weshalb. Die rund 180 Tarifbeschäftigten und Beamten profitieren von viele Vorteilen wie:
- tariflichem Entgelt und einer Jahressonderzahlung
- Leistungsprämien
- Zusatzversorgung für den öffentlichen Dienst
- Homeoffice
- flexiblen Arbeitszeitmodellen
- E-Bike-Leasing
- betrieblichem Gesundheitsmanagement
- guten Aufstiegschancen
- Unterstützung bei persönlichen Weiterbildungsmaßnahmen
Die Stadt bietet also die passende Mischung aus finanziellen Anreizen, der Vereinbarkeit von Leben und Beruf, Gesundheitsfürsorge, Unterstützung bei der Karriere und Mobilität.
Fazit: Arbeiten Sie an der Darstellung und gehen Sie den Extraschritt
Gegen den Fachkräftemangel an sich können Sie nichts tun. Sie können aber dafür sorgen, dass Ihre Verwaltung als Arbeitgeber auf positive Weise wahrgenommen wird. Es ist wichtig, dass Sie jemanden eigens damit betrauen, sich um Social Media zu kümmern: Das kann niemand neben dem eigenen Job zwischen Tür und Angel erledigen. Stattdessen sollte sich jemand dem Thema annehmen, der Redaktionspläne erstellt, Videodrehs veranlasst, Mitarbeitende um Kommentare bittet und dafür sorgt, dass alle Kanäle regelmäßig bespielt und aufkommende Fragen zeitnah beantwortet werden.
Die Königsdisziplin sind Corporate Influencer Programme („Amtfluencer“). Sie stärken das Arbeitgeberimage, machen die Verwaltung nahbarer, unterstützen das Personalmarketing und erhöhen die Bindung der Mitarbeitenden.
Zu guter Letzt: Sortieren Sie nicht sofort alle Bewerbungen aus, die nicht ganz passen. Sie können sich zwar darüber ärgern, dass sich niemand Geeignetes bewirbt, aber damit ist weder Ihnen noch den Arbeitswilligen geholfen, die sich bei Ihnen beworben haben. Praktischer ist es, wenn Sie mit dem arbeiten, was Sie haben: Personen, die guten Willens sind, sich in die Aufgaben einzuarbeiten. Ein Arbeitgeber, der Menschen aus der Region fördert und schult, um sie beschäftigen zu können, ist eine gute Empfehlung für die Behörde.
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