Was hat Kultur mit der Belegschaft zu tun – und können Behörden selbst eine Kultur schaffen? Tatsächlich ist das möglich. Die nötigen Anstrengungen dafür zu unternehmen, ist sogar dringend angeraten: Zu Beginn des Jahres 2026 fehlen rund 600.000 Fachkräfte im öffentlichen Dienst. Dieser Mangel wird sich wegen der zahlreichen Mitarbeitenden, die in den kommenden Jahren in Rente gehen, noch einmal verschärfen. Hier erfahren Sie, wie Sie dem Problem begegnen können.
Gute Kultur am Arbeitsplatz kann den Unterschied machen
Überall ist plötzlich von Kultur am Arbeitsplatz die Rede. Ist das wieder so ein neumodischer Schnickschnack? Früher reichte es doch auch, wenn gutes Arbeitsgerät bereitgestellt wurde.
So weit, so inkorrekt: Auch früher war es nicht ideal, wenn lediglich die Hardware die Anforderungen erfüllte. Inzwischen allerdings können Arbeitgeber im öffentlichen Dienst es sich nicht mehr erlauben, nicht auf die Unzufriedenheit der Belegschaft zu achten. Zu groß ist der Fachkräftemangel, zu wichtig ist es, dass die Menschen in der Behörde oder der Organisation bleiben.
Gerade junge Fachkräfte sind schneller zum Wechsel bereit: Wo vor einigen Jahrzehnten finanzielle Verpflichtungen wie der Kredit für das Haus die Mitarbeitenden bei der Stange hielten, sieht das heute oft anders aus. Viele junge Menschen können sich keine Immobilie leisten und sehen es angesichts der unsicheren Zukunftsaussichten nicht ein, unter bedrückenden Bedingungen zu arbeiten. Sie sind schneller bereit, sich anderswo nach angenehmeren Arbeitsbedingungen umzusehen. Mit einer Kultur, in der sie sich wohlfühlen, können Sie die Fluktuation minimieren.
Warum Kultur mehr als ein Buzzword ist
Was genau hat es denn jetzt mit dieser Kultur auf sich – und ist es möglich, sie schnell umzusetzen? Letzteres sicher nicht: Nur, weil Sie Werte aufschreiben und im Intranet veröffentlichen, ist nicht plötzlich eine Kultur an der Arbeitsstelle etabliert. Auch kostenlose Getränke und der berühmte Obstkorb machen keine Kultur aus, fehlen sollten sie aber trotzdem nicht.
Eine wertschätzende, positive Kultur in der Behörde zu etablieren, erfordert tiefgreifende Änderungen. Werte müssen definiert, formuliert, kommuniziert und von Führungskräften vorgelebt werden. Die besten Vorsätze sind hinfällig, wenn sie ein Lippenbekenntnis bleiben.
6 Tipps für eine bessere Unternehmenskultur
Damit aus Lippenbekenntnis gelebte Realität wird, bekommen Sie hier sechs Tipps, wie Sie eine lebendige Kultur schaffen, statt es allein bei einem netten Etikett zu belassen:
1. Werte definieren und leben
2. Transparent sein und entsprechend handeln
3. Wertschätzung und Anerkennung ausdrücken
4. Individuelle Entwicklung ermöglichen
5. Eigenverantwortung fördern und vertrauen
6. Arbeitsumgebung optimieren und Wohlbefinden stärken
1. Definieren und leben Sie (die richtigen) Werte
Überlegen Sie sorgfältig, welche Werte Ihnen wichtig sind und das Miteinander der Menschen am Arbeitsplatz verbessern könnten. Denken Sie dabei nicht nur von sich aus, sondern nehmen Sie die Standpunkte aller Mitarbeitenden ein. Sie können sie auch um ihren Input bitten, damit Sie nichts übersehen. Je vielfältiger Ihr Team ist, desto spannender werden auch die Vorschläge sein.
Entwickeln und formulieren Sie die Werte gemeinsam mit den Führungskräften. Schwören Sie sie darauf ein und achten Sie darauf, dass sie sich entsprechend verhalten. Wer zum Beispiel Gleichbehandlung und Wertschätzung gelobt und weiterhin nur die Frauen zum Kaffeekochen abkommandiert, torpediert Ihre Bemühungen.
2. Seien Sie transparent und handeln Sie auch so
Kommunizieren Sie die Werte an die gesamte Belegschaft, z. B. in einem Culture Day oder auch in Workshops. Bitten Sie Ihre Mitarbeitenden darum, sie zu verinnerlichen und danach zu handeln. Ermutigen Sie sie, darauf hinzuweisen, wenn diese Werte verletzt werden.
Wichtig ist, dass entsprechende Rückmeldungen ernst genommen werden. Alle Mitarbeitenden müssen verstehen, dass Sie zuhören und dass Sie handeln. Auf eine negative Rückmeldung oder eine Beschwerde hin nichts zu tun oder gar die meldende Person zu benachteiligen, wäre ein fatales Signal.
3. Drücken Sie Wertschätzung und Anerkennung aus
„Nicht getadelt ist genug gelobt“, hieß es früher gern. Dass dieser Satz pures Gift und seine Durchführung höchst demotivierend ist, ist inzwischen längst bekannt. Sie und Ihre Mitarbeitenden wissen, dass alles nur läuft, weil Sie alle da sind und Ihre Arbeit machen. Das ist kein Grund, das nicht zu erwähnen!
Lobende Worte oder ein Danke können in vielen Situationen angebracht sein, etwa:
- beim Erreichen von Zielen und Zwischenzielen
- bei spontaner Unterstützung
- bei guten Ergebnissen
Besonders wichtig ist es, dass Führungskräfte die persönliche Situation der jeweiligen Mitarbeitenden im Hinterkopf behalten. Geht jemand durch eine schwierige Phase oder hat mit Haushalt, Kindern und anderweitigen familiären Verpflichtungen alle Hände voll zu tun, tun lobende Worte besonders gut. Sie brechen niemandem einen Zacken aus der Krone, können aber einen erheblichen Unterschied im Grundgefühl bei der Arbeit machen.
4. Ermöglichen Sie individuelle Entwicklung
Führungskräfte tun gut daran, mit ihren Teammitgliedern zu sprechen und sich zu notieren, wo ihre Stärken und Interessen liegen. Es kann immer sein, dass sich irgendwann Fort- oder Weiterbildungsmöglichkeiten ergeben, dass neue Kenntnisse und Fähigkeiten im Job benötigt werden. Haben Sie dann eine Person aus dem eigenen Team, die Sie mit Kursen oder Schulungen passend aufbauen können, ist das gleich doppelt positiv:
- Sie müssen nicht die Zeit und die Kosten investieren, die die Suche, die Bewerbungsphase und das Einarbeiten einer neuen Fachkraft mit sich bringen.
- Die betroffene Person kann in der Behörde die Karriereleiter hinaufsteigen und ist dadurch dem Arbeitsplatz enger verbunden als zuvor.
Damit Ihnen diese Chancen nicht verborgen bleiben, sollten Sie in Mitarbeitergesprächen regelmäßig nach den Ambitionen und Karrierewünschen fragen. Wer diesen Ehrgeiz hat und wer am liebsten nur in Ruhe die anfallenden Aufgaben erledigen möchte, ist von außen nicht immer erkennbar.
5. Fördern Sie Eigenverantwortung und vertrauen Sie
Geben Sie Ihren Mitarbeitenden klare Anweisungen, was die Ziele sind und bis wann sie erreicht werden sollten, können Sie ihnen die Arbeit weitestgehend selbst überlassen. Menschen arbeiten in unterschiedlichen Rhythmen und haben verschiedene Vorgehensweisen. Erreichen sie die Ziele, ist das Wie zweitrangig.
Mitarbeitende, die überwiegend freie Hand haben und nach eigenem Gutdünken vorgehen dürfen, arbeiten zufriedener als solche, die kleinteilige Anweisungen bekommen und engmaschig überwacht werden. Ab und zu können Sie sich über den Fortgang der Projekte informieren lassen, um zu sehen, ob alles im Zeitplan ist. Falls nicht, bieten Sie unkomplizierte Hilfestellung.
Bringen Sie Ihren Mitarbeitenden Vertrauen entgegen, stärken Sie ihr Selbstbewusstsein. Sie übernehmen gern Verantwortung und fühlen sich ihrer Arbeit dadurch mehr verbunden.
6. Arbeitsumgebung optimieren und Wohlbefinden stärken
Eine physisch angenehme Arbeitsumgebung ist unabdingbar:
- Tische, Stühle sowie Arbeitsgeräte sollten eine ergonomische Haltung ermöglichen.
- Das Licht muss hell genug, aber angenehm sein.
- Frischluftzufuhr und Temperaturregulierung müssen möglich sein.
Mit Pflanzen, Wanddekoration & Co. können Sie zusätzlich für ein angenehmes Ambiente sorgen. Darüber hinaus sind weitere unterstützende Angebote möglich, die oft etwas spöttisch als Ersatz für echte Kultur betrachtet werden, etwa:
- Obst und Getränke
- Kantinengutscheine
- Beiträge zu Sportkursen
- Beiträge zum ÖPNV
- Massagen
- psychologische Beratung
Anbieter von Massagen und psychologischer Beratung können stundenweise an die Arbeitsstelle kommen, und wer ihre Dienste in Anspruch nehmen möchte, kann das tun. Damit senden Sie ein klares Signal: Das Wohlergehen Ihrer Mitarbeitenden ist Ihnen wichtig.
Machen Sie den Erfolg messbar
Ob Sie mit Ihrer Etablierung einer Kultur am Arbeitsplatz erfolgreich sind, können Sie im Laufe der Zeit herausfinden. Mögliche Instrumente dafür sind:
- Mitarbeiterbefragungen (gern auch anonym, weil sich manche dann vielleicht offener zu sprechen trauen)
- Feedback-Runden
- Mitarbeitergespräche
- “Briefkasten” für Vorschläge und Anregungen
- Auswertung von Austrittsgesprächen
Wichtig ist, dass Sie Kritik nicht persönlich nehmen oder für sich selbst kleinzureden versuchen: Der Hinweis darauf, dass etwas nicht gut läuft, sollte nicht als Dämpfer aufgefasst, sondern als Verbesserungschance genutzt werden.
Tipp: Auch wenn Austrittsgespräche nicht in jedem Fall die angenehmste Situation sind, sollten Sie die Möglichkeit für einen guten letzten Eindruck nutzen.
Fazit: Kultur ermöglicht fortlaufende Entwicklung
Etablieren Sie in Ihrer Behörde oder Organisation eine Kultur, in der die Mitarbeitenden sich entwickeln und einbringen können, erhöht das ihre Bindung an Sie als Arbeitgeber. Wichtig ist dafür allerdings, dass Sie die Werte, die Sie vorgeben, auch leben.
Durch das fortlaufende Feedback haben Sie die Möglichkeit, Ihre Maßnahmen immer wieder anzupassen und die Arbeitsumstände kontinuierlich zu verbessern. Geben Sie Ihrer Belegschaft Zeit, sich an die Veränderung zu gewöhnen: Es wird sicher ein bisschen dauern, bis sie genug Vertrauen haben, um auch mutigere Vorschläge einzubringen.
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