Sie haben eine Führungsposition bekommen – herzlichen Glückwunsch! Jetzt gilt es, der neuen Rolle gerecht zu werden.

Ganz ohne Fehler wird das nicht abgehen, aber das muss es auch gar nicht: Sie und Ihr Team müssen sich aneinander gewöhnen. Sie lernen die Leute kennen oder, falls Sie an Ihrem bisherigen Arbeitsplatz aufgestiegen sind, finden sich an Ihrem neuen Platz zurecht. Dabei gibt es immer diverse Stolpersteine. Einige Irrtümer können Sie aber von Anfang an vermeiden.

1. Ich muss alles besser machen

Sie sehen direkt einige Punkte, die sich verbessern lassen, und sagen dem Team sofort Bescheid, dass jetzt ein anderer Wind weht? Besser nicht. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und selbst wenn einige Arbeitsabläufe oder Vorgehensweisen optimierungswürdig sind, reagieren viele Menschen erst einmal unwillig, wenn man ihnen Veränderungen einfach so überstülpt.

Ein besseres Vorgehen ist, sich mit Ihrem Team zusammenzusetzen und darum zu bitten, dass die Mitarbeitenden Ihnen Missstände nennen und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen. So können Sie alle gemeinsam überlegen, was für Verbesserungen möglich sind und wie sie sich umsetzen lassen. Auch einen Zeitplan können Sie erstellen, nach dem die Veränderungen nach und nach umgesetzt werden, sodass alle gut mitkommen.

Auf diese Weise stellen Sie sicher, dass sich Ihr Team nicht bevormundet fühlt. Gegenteilig binden Sie die Leute ein und geben ihnen Gestaltungsspielraum. So merken sie, dass sie bei Ihnen Gehör finden und ernst genommen werden. Das schafft ein gutes Arbeitsklima, und die Mitarbeitenden fühlen sich der Behörde oder dem Unternehmen stärker verbunden.

2. Ich darf keine Fehler machen

Das wäre ziemlich schade – es gibt niemanden, der keine Fehler macht. Sie fangen gerade erst an, in Ihrer Position zu arbeiten. Es wäre seltsam, wenn Sie in allen Situationen perfekt reagieren würden. Wichtig ist einzig, dass Sie gut kommunizieren, wenn Ihnen ein Fehler unterlaufen ist. Sobald er Ihnen auffällt, schauen Sie, ob Sie ihn selbst beheben können.

Ist dem nicht so, sagen Sie allen Personen Bescheid, die davon betroffen sind: Vielleicht müssen Mitglieder Ihres Teams die Arbeit an einem bestimmten Projekt unterbrechen, vielleicht müssen Sie auch Ihren Vorgesetzten Bescheid geben. Niemand wird Ihnen den Kopf abreißen.

Wichtig ist, dass Sie die Schuld nicht auf andere schieben, wenn sie bei Ihnen liegt. Das nehmen Mitarbeitende nämlich auf jeden Fall übel, und bei Ihren Chefs machen Sie sich unglaubwürdig. Stehen Sie also dazu, wenn Sie etwas verbockt haben: Damit geben Sie auch Ihrem Team ein gutes Beispiel, denn eine positive Fehlerkultur wirkt sich insgesamt gut auf die Arbeitsatmosphäre und die Unternehmenskultur aus.

3. Ich muss keine klare Linie haben

Sie sind neu auf der Stelle und wissen daher noch nicht so genau, wie Sie sich geben möchten – autoritär, freundschaftlich, streng, locker? Das kann zu Problemen führen, denn Ihre Mitarbeitenden versuchen natürlich, sich auf Sie einzustellen. Wer heute streng und morgen locker ist, verunsichert das Team. Zudem führt ein solches Verhalten dazu, dass man Sie nicht recht für voll nimmt – es zeugt nicht von einem gefestigten Charakter.

Vor allem junge Führungskräfte, die plötzlich die Kolleginnen und Kollegen anleiten sollen, mit denen sie bislang im Büro gesessen haben, tappen oft in die Freundschaftsfalle. Sie haben zu ihnen gehört, werden jetzt vielleicht als verbündete Person gegen die Geschäftsführung betrachtet. Damit geraten sie schnell in einen Gewissenskonflikt, denn schließlich stehen sie nun auch der Geschäftsführung gegenüber in der Verantwortung.

Gut ist es, wenn Sie freundlich, aber mit etwas professioneller Distanz agieren können. Es muss klar sein, dass das letzte Wort bei Ihnen liegt, Sie aber viel Wert auf die Meinung der Teammitglieder legen. Beziehen Sie Ihre Mitarbeitenden ein, kommunizieren Sie offen und transparent, kritisieren Sie sachlich und loben Sie, wenn es Anlass dazu gibt.

4. Ich darf nicht mehr operativ arbeiten

Als Führungskraft obliegt Ihnen die Verwaltung, die Organisation, das Delegieren – aber die Aufgaben, die Sie möglicherweise früher auch erledigt haben, die macht jetzt allein Ihr Team, oder? Im Alltag soll das nach Möglichkeit so sein. Sehen Sie aber, dass Ihr Team in Arbeit ertrinkt, während Sie gerade Leerlauf haben, dann packen Sie am besten direkt mit an! So sehen Ihre Mitarbeitenden, dass sie sich auf Sie verlassen können und dass Sie sich trotz des Karrieresprungs nicht zu fein sind, die anfallenden Aufgaben mit zu erledigen.

Achtung: Das sollte nicht dazu führen, dass Sie Überstunden schieben – Ihr Schwerpunkt liegt nun bei anderen Aufgaben![KB1]

5. Ich sollte mich aus Konflikten heraushalten

Sie haben bei der Arbeit genug zu tun, da wollen Sie sich nicht um irgendwelche Animositäten im Team kümmern. Schließlich sind das alles erwachsene Menschen, die werden das schon allein klären – oder? Ein verständlicher Gedankengang und doch grundfalsch.

Ungelöste Konflikte im Team vergiften das Arbeitsklima. Betroffene Personen können sich nicht auf ihre Aufgaben konzentrieren. Je nachdem, wie schwerwiegend der Konflikt ist, können Involvierte sogar Angst davor entwickeln, zur Arbeit zu kommen – Reaktionen wie Bauchschmerzen und Schlafprobleme sind keine Seltenheit.

Hören Sie sich also an, worum es geht, und finden Sie – am besten gemeinsam mit den Beteiligten – eine Lösung. Je früher Sie den Konflikt aktiv angehen, desto weniger Zeit hat er zum Wachsen.

6. Ich muss jederzeit ansprechbar sein

Wenn Sie immer das Ohr am Team haben sollten, um Konflikte frühzeitig zu erkennen – heißt das, dass Sie jederzeit ansprechbar sein sollten? Nein, denn das wäre kontraproduktiv. Ist Ihre Tür immer offen, wie man so schön sagt, werden Sie auch laufend unterbrochen bei dem, was Sie gerade tun. So werden Sie keine Aufgabe beenden können.

Besser ist es, wenn Sie bestimmte Zeiten für Ihre Arbeit blocken und den Mitgliedern Ihres Teams feste Zeiten nennen, zu denen sie mit Fragen und Problemen zu Ihnen kommen können. Für Themen, die mehr Zeit in Anspruch nehmen, vereinbaren Sie Termine. Letzteres sollten Sie ohnehin tun, um regelmäßige Einzelgespräche zu führen: Hier geben Sie den Teammitglieder Feedback, bekommen selbst welches und fragen nach, ob die jeweilige Person etwas auf dem Herzen hat.

Als feste Regel sollten Sie einführen, dass weder Sie noch Ihre Teammitglieder nach Feierabend, an freien Tagen oder im Urlaub kontaktiert werden dürfen. Allzu schnell verschwimmen sonst die Grenzen zwischen Job und Privatleben. Sie können nicht mehr gut abschalten, weil Sie stets damit rechnen müssen, dass sich jemand meldet – und das kann Sie auf die Dauer krank machen.

7. Ich brauche keine Tipps

Ja, Sie haben es aus eigener Kraft dorthin geschafft, wo Sie jetzt sind. Das heißt aber nicht, dass Sie allwissend sind. Nimmt jemand von den anderen Führungskräften Sie beiseite und gibt Ihnen einen guten Tipp, wie Sie mit bestimmten Situationen umgehen können, bedanken Sie sich und behalten Sie das Gesagte im Hinterkopf. Sie sind nicht verpflichtet, es anzuwenden – aber vielleicht klappt es tatsächlich gut.

Gleiches gilt, wenn Sie neu im Unternehmen oder in der Behörde sind und Ihnen jemand Hinweise zu den gewachsenen Strukturen gibt. Vielleicht erscheint einiges Ihnen unsinnig, vielleicht würden Sie manches gern ändern. Die Hinweise erleichtern es Ihnen aber, Fettnäpfchen zu umgehen oder zu verstehen, wieso manche Situationen verlaufen, wie sie verlaufen.

Tipps, Hinweise und Ratschläge können Sie sich immer anhören. Ein freundliches Dankeschön ist ebenfalls angebracht. Ob sie dem Tipp folgen, bleibt Ihnen überlassen. Haben Sie in einer Situation das Gefühl, dass Sie nicht alle Argumente kennen oder vielleicht etwas nicht bedacht haben, fragen Sie einfach nach. Die meisten Menschen mögen es, andere an ihrem Wissen und ihren Ansichten teilhaben zu lassen. Man wird Sie dadurch nicht als inkompetent wahrnehmen, sondern als Person, die Entscheidungen sorgfältig abwägt und gern alle Punkte in Betracht zieht.

Fazit: Auch Führung will gelernt sein

Junge Führungskräfte haben alle ihre Unsicherheiten – Erfahrung kommt nun einmal erst mit der Zeit, die können Sie nicht überspringen. Wenn Sie aber darauf achten, gut und offen mit Ihrem Team zusammenzuarbeiten, es einzubeziehen und Konflikte zu lösen, ist viel gewonnen. Scheuen Sie sich nicht, bei Unklarheiten nachzufragen, etwaige Fehler zuzugeben und Grenzen zu ziehen. Achten Sie bei aller Anteilnahme darauf, im alltäglichen Umgang professionell bleiben.

Vergessen Sie nie, dass Ihre Mitarbeitenden sich an Ihnen orientieren. Schlagen Sie also freundliche Töne an, kümmern Sie sich um Ihr Team und organisieren Sie sich gut. Seien Sie immer offen für Vorschläge und erinnern Sie sich und andere daran, dass die Arbeit zwar wichtig, aber nicht der Lebensmittelpunkt ist.


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