Sie haben als Führungskraft Ihre klar umrissenen Aufgaben, die im Unternehmen oder in der Behörde bekannt sind. Zusätzlich aber tragen Sie den Mental Load mit sich – ein Schlagwort, das man häufig hört. Was genau es damit auf sich hat, wie er zustande kommt, an welchen Anzeichen Sie ihn erkennen und wie Sie damit umgehen können, erfahren Sie hier.
Mental Load: Definition
Mental Load bedeutet mentale oder psychische Belastung. Diese entsteht, wenn Sie im Alltag viele (organisatorische) Aufgaben erledigen, was aber weitestgehend unsichtbar bleibt. Ursprünglich wurde der Begriff für das Privatleben geprägt, wo die Organisation von Haushalt und Familie oft nicht genug gewürdigt wird. Doch auch Führungskräfte leiden darunter, weil sie viele Dinge in die Wege leiten und in Balance halten, von denen das Team und die Vorgesetzten nur wenig mitbekommen.
So kommt der Mental Load bei Führungskräften zustande
Sie verteilen die anfallenden Aufgaben, koordinieren Ihr Team und berichten der Geschäftsführung. Allerdings sind Sie auch Ansprechperson, wenn sich Termine verschieben und wenn sich im Rahmen der Aufgaben Probleme ergeben: Sie führen den Terminkalender, Sie sind für die Einhaltung von Deadlines zuständig. Daher müssen auch Sie umdisponieren und Workarounds finden, wenn sich unvorhergesehene Situationen ergeben. Zusätzliche unregelmäßige Herausforderungen sind etwa:
- physische oder psychische Überlastung der Mitarbeitenden
- das Wahrnehmen derartiger Beeinträchtigungen und Gespräche darüber
- das Finden von Lösungen oder Bieten von Hilfestellungen
- die Neuverteilung der Aufgaben
- Vermittlung und Konfliktlösung bei Ärger innerhalb des Teams
- der Balanceakt bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Angestellten und Geschäftsführung, weil Sie für Ihr Team einstehen, aber gleichzeitig die Ziele des Unternehmens bzw. der Behörde im Auge behalten müssen
- das Antizipieren potenzieller Probleme bei neuen Aufgaben und der Entwurf eines Alternativplans, falls sie eintreten
Kurz: Sie müssen bei einem insgesamt schon eng getakteten Arbeitstag jederzeit aufnahmebereit und flexibel sein, um rasch reagieren zu können. Allein das ist eine starke psychische Anstrengung.
Mental Load: Das sind die Warnzeichen
Es gibt mehrere verschiedene Anzeichen, bei denen Sie hellhörig werden sollten:
- Sie haben wenig Lust zu arbeiten und fühlen sich müde, obwohl Sie Ihren Beruf eigentlich mögen.
- Sie werden unproduktiver, weil Sie unkonzentriert sind.
- Sie machen Überstunden und verzichten auf Ihre Pausenzeiten, um alles zu schaffen.
- Ihnen unterlaufen Fehler, die Sie früher nicht gemacht hätten.
- Sie sind in der Kommunikation mit den Mitarbeitenden kürzer angebunden als sonst.
- Sie fühlen sich niedergeschlagen und sind gereizt – Ihrem Team gegenüber legen Sie Ungeduld an den Tag, wo Sie früher gelassen waren.
- Sie schlafen schlecht und neigen zu Kopfschmerzen.
Alle diese Punkte sind Anzeichen dafür, dass Ihnen die Last zu viel wird. Es ist an der Zeit, grundsätzlich etwas zu ändern. Andernfalls kann der Zustand Sie krank machen: Ihr Immunsystem wird beeinträchtigt, sodass Sie häufiger Infekte bekommen. Sie verlieren auf die Dauer die Freude an der Arbeit, entwickeln vielleicht sogar Angst vor dem nächsten Arbeitstag. Ohne ein Gegensteuern kann letzten Endes sogar eine Depression die Folge sein.
Es ist ein langer Prozess, bis die Überlastung bei der Arbeit Sie krank macht. Gerade sehr pflichtbewusste Menschen verpassen aber oft den Punkt, an dem sie etwas ändern müssten – weil sie niemanden „im Stich lassen“ möchten. Dabei führt gerade dieses falsch verstandene Pflichtbewusstsein häufig zu längeren Ausfällen.
Psychischer Belastung vorbeugen
Es gibt verschiedene Vorgehensweisen, die sich als hilfreich gegen den Aufbau eines hohen Mental Loads erwiesen haben, etwa:
- Verzichten Sie auf das Mikromanagement – delegieren Sie Aufgaben und prüfen Sie nur ab und zu, ob alles seinen richtigen Gang geht. Dieses Vertrauen wirkt motivierend auf Ihre Mitarbeitenden. Stellen Sie aber klar, dass Sie bei Unsicherheiten natürlich Fragen beantworten.
- Halten Sie Ihre Pausenzeiten ein und machen Sie Feierabend, ohne spät noch Ihre Mails zu checken. Vielleicht fällt Ihnen das zunächst schwer, aber nur so können Sie eine klare Grenze zwischen Arbeit und Privatleben ziehen und in Ihrer Freizeit tatsächlich abschalten.
- Blocken Sie sich für jeden Tag Zeiten, in denen Sie auf Unvorhergesehenes regieren können. Zusätzliche Arbeit wird nur dann zur Katastrophe, wenn Sie keinen Moment haben, um sich damit zu befassen.
- Führen Sie regelmäßige Gespräche mit Ihren Mitarbeitenden. So erfahren Sie frühzeitig von Problemen oder Konflikten und können gegensteuern, ehe sie sich bedrohlich über Ihnen auftürmen.
- Niemand kann alles im Kopf haben. Nutzen Sie ein übersichtliches Organisationstool und lassen Sie sich frühzeitig an Termine erinnern.
- Nehmen Sie Ihren Urlaub! Es bringt nichts, wenn Sie ihn immer mit ins nächste Jahr hinüberschleppen. Die Zeit ist zum Ausspannen und Erholen gedacht, daher sollten Sie das nach Möglichkeit auch tun.
Grundsätzlich tut es Ihnen gut, wenn Sie sich in Ihrer Freizeit mit Dingen beschäftigen, die mit der Arbeit gar nichts zu tun haben. Ob das bedeutet, dass Sie Zeit mit Kindern oder Enkeln verbringen, ob Sie sich mit Freunden treffen oder Hobbys nachgehen, spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass Sie abschalten und im Kopf nicht um Ihre Arbeitsaufgaben kreisen. So tanken Sie auf und erholen sich auch mental. Das erleichtert es Ihnen, sich am nächsten Arbeitstag wieder motiviert dem Job zu widmen.
Das Vorbild in der Führungsrolle
Wie Sie mit Ihrem Mental Load bei der Arbeit umgehen, beeinflusst nicht Sie allein, sondern auch Ihre Mitarbeitenden. Sind Sie gut organisiert und gelassen und behalten den Überblick, bieten Sie Ihrem Team ein gutes Beispiel: Ihre Mitarbeitenden können sich abgucken, wie Sie vorgehen – vielleicht geben Sie ihnen ja auch Tipps, die für Sie selbst gut funktionieren.
Haben Sie hingegen jeden Tag derartig viele Aufgaben zu bewältigen, dass immer etwas liegenbleibt und Fehler passieren, wirkt sich auch das auf die Arbeitsatmosphäre aus: Sie sind gereizt und können sich keine Zeit für Gespräche nehmen. Ihre Mitarbeitenden sind verunsichert, wollen Sie auch bei Fragen nicht stören und machen Fehler, die vermeidbar gewesen wären.
In der (mentalen) Ruhe liegt die Kraft. Achten Sie daher sorgfältig darauf, dass Ihnen im Job nicht alles zu viel wird. Ist die Belastung zu hoch, scheuen Sie sich nicht, Ihren Vorgesetzten Bescheid zu geben. Das heißt nicht, dass Sie ungeeignet für den Job sind, sondern nur, dass Sie die Gesamtsituation überblicken. Auch Vorgesetzte können nicht Gedanken lesen – aber sie können Ihnen die Möglichkeit zur Neuorganisation geben, wenn sie Bescheid wissen.
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