Wertschätzende Führung ist ein Schlagwort, das Sie wahrscheinlich schon häufiger gehört haben. Aber was genau ist das überhaupt? Und funktioniert Wertschätzung auch andersherum? Stellen Sie sich folgende Situation vor: Eine Mitarbeiterin bedankt sich nach Abschluss eines Projekts. Sie als Führungskraft sagen: „Ach, das ist doch selbstverständlich.“ Das mag bescheiden sein, allerdings schätzen Sie damit weder Ihre eigene Arbeit noch die Ihres Teams wert.

Was genau ist Wertschätzung?

Wertschätzung ist mehr als reines Lob oder Anerkennung, wenn etwas gut läuft. Diese Form der Rückmeldung gehört natürlich dazu, doch Wertschätzung geht darüber hinaus. Sie sieht die Einzelperson und erkennt die individuellen Stärken.

Vertrauen

Eine Voraussetzung für Wertschätzung ist, dass Sie Ihren Mitarbeitenden auf Augenhöhe begegnen. Ihre Teammitglieder sind erwachsene Menschen, die teilweise Familien haben, Kinder großziehen und im Privatleben weitreichende Entscheidungen treffen. Müssen solche Menschen im Job für die einfachsten Kleinigkeiten Rücksprache halten und sich ein Okay einholen, ist das eine überflüssige Bevormundung. Sie führt dazu, dass die Betreffenden sich nicht wertgeschätzt, sondern mit Misstrauen betrachtet und ausgebremst fühlen.

Ein wichtiger Teil von Wertschätzung ist also Vertrauen in die Fähigkeiten Ihrer Teammitglieder. Lassen Sie ihnen in einem vertretbaren Rahmen freie Hand und führen Sie eher Gespräche über den Fortgang der Arbeit, als dass Sie Kontrolltermine daraus machen.

Diese Vorgehensweise hat den angenehmen Nebeneffekt, dass Ihre Mitarbeitenden sich stärker für ihre Projekte verantwortlich fühlen. Sie identifizieren sich mehr mit dem Arbeitgeber und sind motivierter, gute Arbeit zu leisten.

Gleichbehandlung bei Diversität

Gelebte Diversität mag in manchen Ländern wieder im Rückgang begriffen sein, aber das kommt keiner Behörde und keinem Unternehmen zugute: Teams mit größerer Diversität arbeiten nachweislich kreativer und innovativer, da es verschiedene Formen von Input und Ideen gibt. Dadurch wachsen Offenheit und Toleranz. Es werden mehr Blickwinkel und Standpunkte abgedeckt, was letzten Endes auch Kundinnen und Kunden zugutekommt.

Besteht Ihr Team aus Personen verschiedenen Geschlechts und Alters, sie sich hinsichtlich ihrer Hintergründe, ihrer Bildung und ihrer Ansichten unterscheiden, ist es wichtig, dass Sie sie alle gleichermaßen ernst nehmen: Sympathie ist eine Sache, Wertschätzung eine andere. Wertschätzung ist umgesetzte Inklusion.

Kommunikation und Einbeziehung

Geben Sie allen Mitarbeitenden jeweils nur die Brocken an Information, die sie für ihre zugeteilten Aufgaben brauchen, fällt es Ihnen leicht, die Zügel straff in der Hand zu halten. Solange die Teammitglieder aber den Sinn ihrer Arbeit nicht verstehen, weil sie nie das ganze Bild zu sehen bekommen, haben sie keinen Grund, mit Eifer und Leidenschaft bei der Sache zu sein.

Kommunizieren Sie also transparent. Stellen Sie die Projekte allen im Ganzen vor, schildern Sie Ziele und nennen Sie Termine. Und am wichtigsten: Bitten Sie um Input. Ihre Mitarbeitenden bringen verschiedene Erfahrungen mit und können wertvolle Punkte aufzeigen, die Ihnen allein möglicherweise entgehen.

Wenden Sie sich für konkrete Ratschläge an Personen aus Ihrer Abteilung oder Ihrem Team, bei denen Sie genau wissen, dass sie sich mit dem jeweiligen Teilbereich gut auskennen. Auch das ist Wertschätzung: Sie zeigen, dass Sie genau auf dem Zettel haben, was wessen Spezialgebiet ist.

Ein wichtiger Faktor bei der Kommunikation ist das Zuhören. Ob in der Kaffeeküche, in der Kantine oder im regelmäßigen Feedbackgespräch: Hören Sie Ihren Mitarbeitenden zu und nehmen Sie sie ernst. Sie werden Verschiedenes zu hören bekommen, was sie bewegt, etwa:

Merken Sie sich alle diese Dinge und unterstützen Sie, wo Sie können. Die Lösungen können ganz unterschiedlicher Natur sein – von klärenden Gesprächen im Team über einen betrieblichen Zuschuss zu einem Fitnesskurs oder die Ermöglichung von Teilzeitarbeit bis hin zu geförderten Weiterbildungen können Sie den Angestellten viel Gutes tun. Wertschätzung bedeutet nämlich auch, Bedürfnisse zu erkennen und sie nach Möglichkeit zu erfüllen.

Lob und Dank

„Nicht geschimpft ist genug gelobt“ ist ein schlimmer Satz, den es nie hätte geben dürfen. Läuft etwas gut, dürfen – und sollten! – Sie ein Lob aussprechen. Ja, Ihre Mitarbeitenden werden für ihre Arbeit bezahlt. Aber wenn sie sie gut gemacht haben, können Sie das anerkennen, und wenn sie dafür einige Extraschritte gegangen sind, können Sie ihnen dafür danken.

Ein Lob und ein Dankeschön kosten nichts. Sie brechen niemandem einen Zacken aus der Krone, aber sie sorgen für ein gutes Gefühl: Haben wir mit Eifer an etwas gearbeitet und sind stolz auf das Ergebnis, fühlt es sich fantastisch an, wenn das anerkannt und gewürdigt wird. Dagegen ist es ein besonderer Dämpfer, wenn wir glauben, dass ein Lob angebracht wäre und es ausbleibt.

Geschenke und kleine Aufmerksamkeiten

Kleinigkeiten wie Süßigkeiten, Gutscheine oder Blumen zu einem Jubiläum oder nach einem abgeschlossenen Projekt sind gute Wege, den Mitarbeitenden zu sagen, dass sie wichtig sind. Sie können auch anlasslos an einem warmen Sommertag ein Eis für alle holen oder hin und wieder ein Getränk ausgeben. Ist ein großes Projekt erfolgreich zu Ende gegangen, besteht vielleicht sogar die Möglichkeit, den Beteiligten etwas Freizeit zuzugestehen.

Tipp: Menschen reagieren unterschiedlich auf die verschiedenen Arten von Anerkennung. Manche brauchen das direkte Gespräch, andere schätzen es hoch, wenn Sie ihnen helfen, wieder andere legen am meisten Wert auf Lob und einige bevorzugen Geschenke. Die Mischung macht’s!

Geld bedeutet nicht gleich Wertschätzung

Behörden und Unternehmen sollten grundsätzlich faire Löhne und Gehälter bezahlen – wer knausert, kann sich meist bald nach neuen Mitarbeitenden umsehen. Doch über eine faire Bezahlung hinaus trägt Geld nur in einem sehr beschränkten Maße dazu bei, dass Menschen sich wertgeschätzt fühlen. Natürlich bleibt man eher bei einem Arbeitgeber, der ein sehr gutes Gehalt zahlt. Für die emotionale Bindung an den Arbeitsplatz, für die Bereitschaft, sich einzubringen, spielen die oben genannten Faktoren aber eine größere Rolle.

Vorsicht ist auch geboten bei leistungsbezogenen Prämien: Damit können Sie sehr leicht eine Ellenbogenmentalität unter Ihren Teammitgliedern fördern. Sie arbeiten in solchen Fällen oft eher gegen- als miteinander, weil sie nicht übertrumpft werden wollen. Loben Sie Prämien für das ganze Team aus, kann es sein, dass einzelne Angestellte unter Druck gesetzt werden, weil ihre Leistung unterdurchschnittlich ausfällt. In beiden Fällen bringen Sie Unfrieden ins Team, statt die Zusammenarbeit zu fördern. Mit Wertschätzung hat das nichts zu tun.

Die Wertschätzung von unten nach oben

Über wertschätzende Führung hören und lesen Sie viel. Doch auch Führungskräfte wollen wertgeschätzt werden. Dessen sollten Sie sich entsinnen, wenn Sie das nächste Mal mit Ihren Vorgesetzten sprechen: Konnten Sie von deren Organisationsarbeit profitieren, sagen Sie das – bedanken Sie sich so, wie Sie selbst es schön fänden, wenn Ihre Mitarbeitenden das täten.

Auch aus Ihrem Team können Sie Wertschätzung erfahren, wenn Sie das entsprechende Umfeld schaffen: Fördern Sie eine offene Feedbackkultur und gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Ist etwas gut gelaufen, können Sie das in der Schlussbesprechung hervorheben – ohne sich auszunehmen. Handelt es sich um eine Gemeinschaftsarbeit, ist es nur richtig, wenn Sie sagen: „Das haben wir gut gemacht.“

Ihre Mitarbeitenden vergessen so nicht, dass auch Sie Ihren Anteil an den Projekten haben. Gehen Sie offen und positiv mit ihnen um, werden sie Ihnen in den meisten Fällen auch so begegnen. Es bedarf meist einer gewissen Anstrengung, Personen nicht wertzuschätzen, deren Wertschätzung man umgekehrt genau spürt. Zufriedene Angestellte, die um ihren Wert im Team wissen, haben keinen Grund, diese Anstrengung zu unternehmen.

Fazit: Wertschätzung bringt Organisationen voran

In zahlreichen Organisationen werden viele Geschehnisse als selbstverständlich genommen. Damit beschneiden sie selbst ihre Entwicklungsmöglichkeiten, denn durch ehrliche Wertschätzung können die Arbeitstage harmonischer, interessanter und engagierter werden. Die Angestellten haben morgens mehr Grund, zur Arbeit zu kommen, als nur das monatliche Gehalt.

Dadurch, dass Sie Ihre Mitarbeitenden als die Individuen wahrnehmen, die sie sind, messen Sie ihnen einen höheren Wert bei. Sie spüren, dass sie nicht nur Arbeitsdrohnen sind, sondern als Personen mit Expertise, Ambitionen und/oder einem Privatleben wahrgenommen werden. Häufig spiegeln sie Ihnen das – und dadurch spüren Sie die positiven Auswirkungen auch bei sich selbst.


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