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Rekrutierung erledigt in Zukunft eine Maschine

Bewerbungsgespräch per Videokonferenz: Der Interviewer ist eine Maschine, die menschliche Kommunikation versteht und deuten kann. Was nach Zukunftsmusik klingt, wird die Personalpraxis auch bei den städtischen Arbeitgebern verändern – denn schon heute sehen wir: Maschinen fällen manchmal sogar bessere Entscheidungen als ein Mensch, der nicht aus seiner Vorurteilswelt herauskommt.

 

Es wäre wünschenswert, dass HR als Gestalter dieses Themas in Zukunft ganz vorne mit dabei ist – zumal auch die Personalfunktion selbst künftig auf die Leistungen von Robotern zurückgreifen wird.

Schauen wir uns dafür einen Bewerbungsprozess an, wie er im Jahr 2025 ablaufen könnte: Die Fachabteilung gibt an, was für eine Kraft gebraucht wird. Ein Computeralgorithmus formuliert daraus selbstständig eine Stellenanzeige und schaltet sie an verschiedenen Stellen im Internet. Bewerbungen, die eingehen, werden ebenfalls von Maschinen gesichtet. Eine Software scannt die Lebensläufe und schickt den offensichtlich Ungeeigneten eine Absage – mit einer voreingestellten Zeitverzögerung, der Höflichkeit wegen. Interessante Kandidaten lädt das System zum Online-Test ein, um herauszufinden, ob sie zur Kultur des Unternehmens passen.

Und nur wer diese Hürde nimmt, bekommt eine Einladung zum persönlichen Gespräch – natürlich auch vom Rechner, der zuvor im Terminkalender des Fachbereichsleiters einen freien Slot geblockt hat. Ergebnis: Der Personaler aus Fleisch und Blut hat mit der Stellenbesetzung erst dann zu tun, wenn er dem Bewerber die Hand schüttelt.

85 Prozent aller Stellen werden in Zukunft so besetzt, schätzt Wollmilchsau, eine auf Digitalthemen spezialisierte Personalmarketingagentur in Hamburg. Die nötigen Programme für diese automatisierten Personalprozesse gibt es schon. Großkonzerne wie Google, wo jeden Monat Zehntausende von Bewerbungen eingehen, nutzen längst Lebenslauf-Scanner, die im elektronischen Postkorb nach den passenden Fähigkeiten fahnden.

 

Die Folge für den Personaler: Schluss mit lästigen Routineaufgaben – mehr Zeit für Strategie, Aufbau der Arbeitgeber-Marke und Kontaktpflege in den Arbeitsmarkt.

 

Wie weit wir mit diesem Thema sind, zeigt uns ein Beispiel.

Das Ergebnis vorweg: Wenn der Roboter in Zukunft die Bewerberauswahl macht, gelangen wir an bessere Mitarbeiter als bei der Auswahl der Kandidaten durch die Personalabteilung. Dies ergab ein Test am National Bureau of Economic Research in Cambridge, USA. Analysiert wurden 300.000 Neueinstellungen in 19 Unternehmen.

Ein Teil der Bewerber hatte einen Test absolviert, der automatisiert ausgewertet wurde. Anschließend entschied der Algorithmus, ob der Bewerber eingestellt wird oder nicht. Diese Auswahl durch Roboter trat gegen das konventionelle, von Menschen gesteuerte Verfahren an.

Resultat: Der Algorithmus fällte die besseren Einstellungs-Entscheidungen. Mitarbeiter, die der Automat ausgewählt hatte, blieben länger im Job und brachten bessere Leistungen als jene, die von Hand ausgewählt wurden.

 

Zwar ging es in dieser Fallstudie nur um „Gering-Qualifizierte“ für Call-Center und Service-Center. Das Beispiel aber zeigt, dass es hier kostengünstiger und sicherer ist, den Roboter die Arbeit machen zu lassen. Aber sobald wir noch bessere Technologie zur Verfügung haben – was absehbar ist –, wird der Roboter auch bei „Höher Qualifizierten“ die Bewerberauswahl besser machen als Menschen. Vor diesen Realitäten die Augen zu verschließen heißt, sich dem notwendigen Wandel zu verweigern. So wie ein Auto schon heute in wesentlichen Teilen von Robotern und nicht mehr von menschlichen Mitarbeitern produziert wird, werden wir auch im Personalbereich umzudenken und uns den Kräften der innovativen Erneuerung zu stellen haben.

 

 

Für Personalmanager in der öffentlichen Verwaltung ist das ein strategisches Thema. Hier zeichnet sich eine Veränderung ab, die es so in den letzten 50 Jahren nicht gegeben hat: Dank künstlicher Intelligenz bekommen wir ein Rekrutierungsverfahren, das in einigen Aspekten der bisherigen Praxis überlegen zu sein scheint. Zwar sieht es nach Einschätzung des zfm nicht danach aus, dass menschliche Recruiter in Zukunft überflüssig sein werden. Aber mit Technologie als einer wichtigen Quelle zusätzlicher Wertschöpfung im Personalprozess werden wir die Qualität von Einstellungsverfahren auf eine neue Ebene heben. Ohne Roboterleistung wird es auch im Personalbüro in Zukunft nicht mehr gehen.

 

Aus “13 Impulse für Ihre Personalarbeit” von Edmund Mastiaux, 2018

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