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Generation Y und Z erobern die Arbeitswelt

Eine neue Nachwuchsgeneration strömt erst ins Arbeitsleben und dann in die Führungsjobs. Mit ihr kommt eine völlig neue Werte-Welt – das Verhältnis zu Beruf und Berufstätigkeit verändert sich. Lebenslange Loyalität und unbedingter Einsatzwille waren gestern. In Zukunft wird sich wirksame Personalarbeit auf die lebensstilorientierten Karriere-Optimierer einstellen.

 

Zunächst eine wahre Geschichte: Montagmorgen auf dem Büroflur. Der Chef stürmt aus seinem Büro und stößt fast mit dem neuen Praktikanten zusammen. Er drückt dem jungen Mann einen Papierstapel in die Hand. „Können Sie mir das mal schnell kopieren?“ Doch der Angesprochene macht keine Anstalten, die Unterlagen an sich zu nehmen, sondern erwidert: „Warum? Können Sie das nicht selbst?“ Dem Chef bleibt die Spucke weg. Und zu allem Überfluss schiebt der Praktikant noch freundlich hinterher: „Ich kann Ihnen gerne zeigen, wie man den Kopierer bedient.“

Solche Anekdoten sind aus vielen Organisationen zu hören. Sie zeigen: Die neue Generation Z, also die nach 1995 Geborenen, tickt wirklich anders. Aber woran liegt das?

 

Ein Blick in deren typische Biografie klärt: Wer heute in die Berufswelt einsteigt, hat ein komplett anderes Elternhaus erlebt. Vater und Mutter waren nicht mehr Respektspersonen, sondern Freunde, Trainer, Bewunderer oder Coach der Kinder.

Ein kleines Beispiel: Wer als Teenager in den 1970er und 1980er Jahren in die Disko gehen wollte, musste dafür lange betteln und durfte nur dann losziehen, wenn er die Bedingungen der Eltern akzeptierte. Sie sagten, wie lang man bleiben durfte, und warteten im Auto vor der Disko zum Abholen – aus der Sicht der Kinder optimalerweise um die Ecke.

Heute hingegen läuft die Party-Logistik völlig anders ab: Da schicken die Teenager mitten in der Nacht eine WhatsApp-Nachricht an die Eltern ‚Ihr könnt mich jetzt abholen‘ – und genau das wird dann auch gemacht.

 

Mit dieser Einstellung drängt die Generation Z ins Arbeitsleben: Respekt vor dem Chef ist ihr genauso fremd wie Befehl und Gehorsam – sicherlich überspitzt ausgedrückt. Es gibt oft wenig Eigeninitiative, Selbstdisziplin, häufig wenig Sinn für Verlässlichkeit. Aber wie hätten die Jugendlichen auch selbstständig werden können? Dafür haben ihnen die Helikopter-Eltern keinen Raum gelassen!

 

Fest steht: Der Arbeitsmarkt ist eng, die Mitarbeiter von morgen kennen den „War for Talent“ und wissen um ihren Hebel. Deshalb müssen die Arbeitgeber sich auf die Wünsche der Generation Z einstellen:

 

  • Vorgesetzte sollten keine Befehle austeilen, sondern die jungen Menschen um ihre Meinung fragen, sie bei Entscheidungen mit einbeziehen.
  • Bei allen Aufgaben muss vorher eine klare Agenda vorgegeben werden, Arbeit muss planbar sein.
  • Geben Sie häufig Rückmeldungen. Das Lob muss sofort kommen, nicht erst beim Personalgespräch mit dem Chef in drei Monaten.
  • Arbeitgeber müssen wieder eine klare Trennung zwischen Beruf und Privatleben ermöglichen. Denn anders als die vorherige Generation Y haben die Einsteiger von heute keine Lust mehr, abends vor dem Zubettgehen noch einmal berufliche E-Mails zu beantworten.

 

Aber bei allem schmerzvollen Umdenken, die diese neue Arbeitskultur erfordert, sollten wir nicht vergessen: Der Vormarsch der Generation Z ist auch eine riesige Chance. Die GenZ besteht aus sogenannten Digital Natives.

 

 

Sie gehen selbstverständlich und versiert mit digitalen Medien um. Sie bringen genau jene digitale Denke mit, die wir alle heute so dringend brauchen.

 

Deshalb sollten Arbeitgeber in der Lage sein, diese Bedürfnisse zu adressieren. Je besser das gelingt, desto erfolgreicher ist auch die nötige digitale Transformation, die jede Organisation durchlaufen muss – ganz gleich, ob es sich um eine mittelständische Schreinerei, den Thyssen-Krupp-Konzern oder eine Stadtverwaltung handelt.

 

Aus “13 Impulse für Ihre Personalarbeit” von Edmund Mastiaux, 2018

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