Digital Leadership ist die Art von Führung, die in einer modernen Organisation unabdingbar ist: Die Arbeitsweise hat sich verändert – teils überstürzt im Zuge der Pandemie, teils gut durchdacht und planvoll umgesetzt. Diese neue Form der Arbeit erfordert eine neue Art von Führung. Hier erfahren Sie, was im Sinne von „Leadership 4.0“ wichtig ist.
Anforderungen durch die veränderte Arbeit
Nachdem Unternehmen sich zwangsweise mit den (technischen) Möglichkeiten für vielfältige Arbeitsgestaltung auseinandersetzen mussten, haben viele die Vorteile davon erkannt. Moderne Firmen schaffen nach Möglichkeit flexible Arbeitsmodelle, die alle oder einige der folgenden Punkte umfassen:
- Homeoffice / Remote Work
- Gleitzeit
- Mitbestimmung
- digitale Zusammenarbeit
Die Arbeit lässt sich so von Mitarbeitenden besser an ihr eigenes Leben anpassen, ohne dass die Bindung zum Team verloren geht. Für Führungskräfte wie Sie geht diese schöne neue Arbeitswelt allerdings mit einigen Herausforderungen einher. Sie müssen:
- ein Team aus Personen erschaffen, die sich teilweise nicht im wirklichen Leben sehen
- eine gute Kommunikation aufrechterhalten
- aus der Ferne ansprechbar sein
- die passende Technik bereitstellen
- für umfassende Schulungen sorgen
Um diese Anforderungen erfüllen zu können, müssen Sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen.
5 Voraussetzungen für Digital Leader
Vorbei sind die Zeiten, in denen Sie nur ein Büro betreten mussten und Ihre Teammitglieder vorfanden. Um in der schnelllebigen, sich stetig wandelnden Arbeitswelt Ihr verstreutes Team sicher zu navigieren, brauchen Sie einige Grundvoraussetzungen.
Agilität
Ab jetzt ist die einzige Kontinuität der Wandel: Sie sind in der Zusammenarbeit mit verschieden arbeitenden Menschen dazu angehalten, jederzeit rasch reagieren zu können. Auch digitale Neuerungen sollten Sie aufmerksam im Auge behalten, damit Sie nicht plötzlich von den Entwicklungen abgehängt werden.
Kommunikationsfähigkeit
Legen Sie mit allen Mitgliedern Ihren Teams regelmäßige (Video-)Calls fest, um den Stand der Dinge zu besprechen. Vereinbaren Sie außerdem wiederkehrende Team-Calls und ermutigen Sie Ihre Mitarbeitenden, untereinander rege zu kommunizieren. Seien Sie zusätzlich ansprechbar, falls Fragen auftreten.
Fehlt Ihnen gerade die Zeit zum Reagieren, sagen Sie so schnell wie möglich Bescheid und geben Sie an, wann Sie sich zurückmelden werden: Allein zu Hause zu sitzen, nicht weiterzukommen und niemanden zu erreichen, ist schlimmer, als dieselbe Situation im Büro zu erleben: Dort ist noch ein Austausch möglich oder ein kurzer Plausch in der Kaffeeküche.
Agieren Sie in der Kommunikation freundlich und wertschätzend: Ihr Verhalten muss das fehlende Miteinander auffangen. Auch im Büro ist es nicht wünschenswert, wenn Sie kurz angebunden sind. Ihre Mitarbeitenden haben dort aber die Möglichkeit, Sie am selben Tag oder am nächsten zu sehen und zu verstehen, dass Sie kein Problem mit ihnen haben. Bei einem wöchentlichen Gesprächstermin haben die Mitarbeitenden viel Zeit, sich nach einem als negativ empfundenen Gespräch Sorgen machen kann.
Technisches Verständnis
Sie müssen kein Expertenwissen mitbringen, aber ein grundlegendes Interesse und Verständnis für technische und digitale Neuerungen ist wichtig. Nur so können Sie bei neuen Tools einschätzen, ob diese für die Arbeit einen Mehrwert bieten oder nicht. Sie sollten sich aktiv über die Neuerungen informieren, um die Richtung der allgemeinen Entwicklung zu verstehen.
Lern- und Organisationsfähigkeit
Zur Digital Leadership zählt, dass Sie Ihr ganzes Arbeitsleben lang lernbereit und aufnahmefähig bleiben. Sie müssen sich das Wissen um neue Tools aneignen und sich die Bedienung erarbeiten. Hinzu kommt für Sie die Aufgabe, die nötigen Schulungen für alle Teammitglieder zu organisieren.
Wo viele Mitarbeitende dezentral arbeiten, kann es leicht zu Datensilos kommen. Dem wirken Sie am besten von Anfang an entgegen, indem Sie für alle Beteiligten zugängliche Datenbanken und Cloudspeicher anlegen. Hier werden alle Informationen gespeichert, sodass alle von ihrem jeweiligen Arbeitsplatz aus Zugriff darauf haben. Abteilungsübergreifende Wissensdatenbanken schaffen zudem fruchtbare Synergien.
Fehler als Chancen begreifen
Ein agiles Umfeld, in dem es viele Neuerungen und immer wieder etwas zu Lernen gibt, ist ein Ort, an dem Fehler passieren. Zur Digital Leadership gehört es, dass Sie diese Fehler als zur Arbeit gehörig und als Chance zum Lernen betrachten. Müssen Ihre Mitarbeitenden Ärger befürchten, falls sie einen Fehler machen, trauen sie sich nur, was sie ohnehin schon beherrschen. Dadurch entsteht Stillstand statt Entwicklung.
Modelle für die Umsetzung: SMART und VOPA+
Ihre Mitarbeitenden übernehmen viel Verantwortung und arbeiten relativ frei. Damit ihre Anstrengungen dennoch zielführend sind, sollten Sie Ihnen klare Ziele geben – idealerweise nach dem SMART-Modell:
- Spezifisch: Definieren Sie das Ziel so genau wie möglich.
- Messbar: Die Arbeit an den Zielen sollte qualitativ wie quantitativ messbar sein. So merken Sie frühzeitig, wenn etwas schiefläuft, und können bei der Kurskorrektur helfen.
- Attraktiv: Es sollte für die Mitarbeitenden sinnvoll und erstrebenswert sein, das Ziel zu erreichen – machen Sie es ihnen schmackhaft!
- Realistisch: Setzen Sie die Ziele so, dass sie mit den verfügbaren Mitteln und in der verfügbaren Zeit zu erreichen sind. Alles andere führt zu Stress, Frust und mieser Stimmung im Team.
- Terminiert: Geben Sie den Endtermin für das Projekt an und definieren Sie bei Bedarf Zwischenziele, die zu bestimmten Zeitpunkten erreicht sein sollten. So verhindern Sie, dass zum Ende des Projekts unnötiger Druck entsteht.
Für Sie selbst als Digital Leader, aber auch für Ihre Mitarbeitenden sollte zudem das VOPA+-Modell gelten: Vernetzung, Offenheit, Partizipation, Agilität und Vertrauen.
Das Modell bedeutet, dass Sie und das Team, aber auch Mitarbeitende aus anderen Abteilungen in regem Austausch stehen. Es sollte eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre herrschen, in der es auf Zusammenarbeit und nicht auf Hierarchien ankommt.
Dazu gehört auch, dass Sie Ihre Mitarbeitenden frühzeitig von anstehenden Entscheidungen in Kenntnis setzen und ihre Meinungen dazu einholen: Das Team wird als Teil der Behörde bzw. des Unternehmens begriffen, hat selbstverständlich ein Mitspracherecht und ist in die Entwicklungen involviert.
Deshalb lohnt sich Digital Leadership
Die Krankenkasse BARMER hat mit der Universität St. Gallen die Studie Social Health@work durchgeführt und interessante Ergebnisse erhalten. Diejenigen Angestellten, die mit einem Digital Leader arbeiten, haben Folgendes angegeben:
- Sie schätzen ihre Produktivität um 10 % höher ein als andere.
- Sie haben 15,5 % weniger Stress.
- Sie spielen zu 40,7 % weniger mit dem Gedanken an Kündigung.
- Sie sind zu 48,3 % zufriedener mit ihrer Arbeit.
Digital Leadership verbessert also nicht nur die Produktivität, die Zufriedenheit und das Wohlbefinden des Teams, sondert verringert auch die Gefahr der Kündigung. Letzteres ist in Zeiten des allgegenwärtigen Fachkräftemangels ein starkes Argument für die Digital Leadership.
Fazit: Alles spricht für Leadership 4.0
Lebenslanges Lernen, immerzu neue Technologien, ständige Erreichbarkeit und das Team verstreut in allen Himmelsrichtungen – auf den ersten Blick wirkt Digital Leadership nicht unbedingt attraktiv. Ganz sicher ist sie auch nicht für alle Führungskräfte geeignet. Wer Wert auf starre Hierarchien legt und Veränderungen nicht leiden kann, wird sicher kein Digital Leader werden.
Doch Änderungen laufen ab und es bringt nichts, sich gegen die Strömung zu stellen. Eine gute Führungskraft in einem schnell veränderlichen Arbeitsalltag ist, wer die Welle reiten und das Team dabei mitnehmen kann. Die Vorteile liegen auf der Hand: Zufriedene, produktive Mitarbeitende denken gar nicht daran, den Arbeitgeber zu wechseln. Und das ist die beste Werbung, die eine Behörde oder ein Unternehmen sich für den Arbeitsmarkt wünschen kann.
Archiv
- 2026
- 2025
- 2024
- 2023
- 2022
- 2021
- 2020
- 2019
- 2018
- 2017
