Dass es weniger Frauen unter Führungskräften gibt als Männer, hängt ja leider mit der althergebrachten Rollenverteilung, der Kinderbetreuung und dem entsprechenden Karriereknick zusammen – oder?

Eine Studie aus den USA zeigt auf, dass die Gründe dafür auch an anderer Stelle liegen können. Offenbar haben Frauen nämlich das falsche Alter.

Welches?

Jedes.

Immer das falsche Alter?

Bei einer Umfrage zeigte sich, dass Frauen jeden Alters schon das falsche Alter für die Karriere bescheinigt worden ist:

Kurz: Es gab zu allen Lebenszeiten „Gründe“, aus denen Männer bei der Beförderung vorgezogen wurden. Das ist nicht nur nicht fair, das ist auch kurzsichtig und kann sich für das Unternehmen negativ auswirken.

Vorurteile behindern die fundierte Entscheidung

Wie wir in unserem Artikel “Braucht Führung ein Geschlecht? Female Leadership und Stereotype” gezeigt haben, gibt es positive Vorurteile gegenüber weiblichen Führungskräften, die sich so nicht grundsätzlich bewahrheiten müssen. Die oben genannte Befragung hingegen zeigt, dass Frauen aber im Alltag in der Arbeitswelt nach wie vor eher mit negativen Vorurteilen zu kämpfen haben: Wo junge Männer Potenzial mitbringen, werden junge Frauen als unerfahren betrachtet, wo ältere Männer Erfahrung haben, gelten ältere Frauen als festgefahren.

Viele Frauen sind flexibel

Viele jüngere Frauen, die immer wieder übergangen werden, zucken irgendwann die Achseln und wechseln den Job. Oft sind die Arbeitgeber davon überrascht, da sie die Anliegen der betreffenden Angestellten im Vorfeld nicht ernst genommen haben.

Viele ältere Frauen, die sich in ihrem Unternehmen oder in ihrer Behörde übergangen fühlen, ziehen kurzerhand die Notbremse und tun etwas anderes. Und zwar in vielen Fällen sogar etwas völlig anderes. Sie:

Fast jeder Mensch hat Träume, Vorstellungen oder Lebenswege, gegen die er sich einmal entschieden hat – wegen Job, Liebe, Kindern etc. Viele Frauen sind gut darin, diese im Bedarfsfall zu reaktivieren und sie umzusetzen.

Junge Frauen bleiben oft höflich

Auch wenn sich im Laufe der Jahrzehnte einiges geändert hat, ist es noch immer so, dass Mädchen und junge Frauen eher lernen, Konflikte nicht lautstark auszutragen oder sie eher zu umgehen. Wird nun an der Arbeitsstelle die sanfte Beschwerde nicht wahrgenommen, weil andere Stimmen lauter sind, bedeutet das für das Individuum, dass es ignoriert und zurückgesetzt wird. Statt das aber hinzunehmen, suchen sich junge Frauen aus Gen Y und Gen Z lieber einen Job, in dem man sie ernst nimmt und sieht. Auf die bedingungslose Loyalität älterer Semester können sich Arbeitgeber nicht mehr verlassen.

Viele ältere Frauen erweitern gern ihren Horizont

Für alle oben angegebenen Punkte, wie ältere Frauen auf ein Übergangen werden reagieren können, gibt es Beispiele. Zwar ist auch dieses Umschalten typabhängig, doch unterstützt gerade das Familienleben, das so oft als Karrierekiller betrachtet wird, die geistige Flexibilität: Die Entwicklung von Kindern lässt sich unterstützen, aber nicht durchtakten. Es gilt immer wieder, sich auf neue Situationen einzustellen, Gegebenheiten zu akzeptieren, sich ihnen anzupassen und die Geschehnisse so zu beeinflussen, dass die Ergebnisse positiv sind.

Diese Fähigkeiten können in jedem Unternehmen und in jeder Behörde positive Auswirkungen haben. Unvorhersehbare Situationen zu analysieren, ohne in Panik zu verfallen, und ohne Schuldzuweisungen nach dem bestmöglichen Weg zu suchen, steht jeder Führungskraft gut zu Gesicht, egal welchen Geschlechts. Es sind zudem Fähigkeiten, die einigen Menschen leichter fallen als anderen, die sich aber auch trainieren lassen. Viele Frauen, die sich über Jahrzehnte hinweg um ihre Familien kümmern, haben dieses Training bereits pausenlos im Alltag absolviert – ganz ohne, dass die Arbeitgeber ihnen teure Schulungen bezahlen mussten.

Frauen bereichern Führungsetagen

Die Fertigkeiten, die Frauen jedes Alters mit sich bringen, nicht auch in Führungsrollen zu nutzen, ist eine leichtfertige Verfehlung, der sich keine vorausschauende Chefetage schuldig machen sollte: Einerseits geht so jede Menge wertvolles Potenzial verloren, das dem Unternehmen bzw. der Behörde eigentlich zur Verfügung steht. Andererseits sprechen sich derartige Entscheidungen herum oder schlagen sich in Arbeitgeberbewertungen auf den einschlägigen Portalen nieder: Für vielversprechende weibliche Arbeitssuchende wirkt das abschreckend, sodass sie sich lieber anderweitig nach einem Job umsehen.


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