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Die ersten Monate im neuen Unternehmen

Gespräche mit frühzeitig ausgeschiedenen Mitarbeitern haben deutlich gemacht, dass Angaben wie „nicht erfüllte Erwartungen“, „Nichteinhaltung von Vereinbarungen“ und „zu hohe Arbeitsbelastung“ vorwiegend als Kündigungsgründe genannt wurden. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass häufig eine fehlende oder mangelhafte Einarbeitung der wirkliche Grund für das Ausscheiden ist. Woran liegt das?

Nach der Vertragsunterzeichnung wird der Mitarbeiter oftmals sich selbst und seinem Schicksal überlassen. Dabei stellen gerade der Einstieg und die erste Zeit in einem Unternehmen für einen neuen Mitarbeiter eine schwierige Situation dar in sozialer, psychologischer, fachlicher und persönlicher Hinsicht.

Eine systematische Einarbeitung ist die Voraussetzung dafür, dass der neue Mitarbeiter sich rasch mit dem Unternehmen und den ihm übertragenen Aufgaben identifiziert und so die Basis für eine langfristige Bindung an das Unternehmen gewährleistet ist. Hierbei sind beide Seiten gefordert.

Das Unternehmen kann viel dazu beitragen, den Einstieg für den neuen Mitarbeiter „angenehmer“ zu gestalten:

 

Probleme nicht verschleiern

Im Sinne einer künftigen fairen Partnerschaft zwischen Mitarbeiter und Unternehmen sollte dieser im Einstellungsgespräch ehrlich und umfassend über das Unternehmen, die Aufgaben, die Probleme und Entwicklungsmöglichkeiten informiert werden.

So ist sichergestellt, dass der Mitarbeiter nicht mit unrealistischen Erwartungen an die neue Aufgabe herangeht. Schönfärberei suggeriert falsche Erwartungen, die zu Unzufriedenheit und Frustration führen können. Nach Möglichkeit sollten in diesem Zusammenhang Arbeitsplatzbedingungen, Gespräche mit künftigen Kollegen oder gar Hospitationen vom Arbeitgeber organisiert werden.

Der oft lange Zeitraum zwischen Vertragsunterzeichnung und erstem Arbeitstag kann und sollte vom Unternehmen genutzt werden: Der regelmäßige telefonische Kontakt, das Zusenden aktueller Broschüren oder das Unterstützen bei der Wohnungssuche sorgen für eine frühzeitige positive emotionale Bindung an das Unternehmen. Dadurch können beim neuen Mitarbeiter bestehende Unsicherheiten abgebaut werden.

 

Die ersten Arbeitstage

Der Arbeitgeber sollte darauf achten, dass die zukünftigen Arbeitskollegen über „den Neuen“ informiert sind und ihm das Gefühl von Integration in das neue Umfeld gegeben wird. Intensive Gespräche mit dem Vorgesetzten und den Kollegen sollten ihn über alle wesentlichen Unternehmensspezifika informieren. Ein vorbereiteter Arbeitsplatz und eine erste überschaubare und sinnvolle Aufgabe zeigen dem Neuen darüber hinaus, dass man ihn erwartet, ihn braucht und er eine sinnvolle Ergänzung im vorhandenen Team ist.

 

Feedback schafft Vertrauen

Es ist wichtig, dass der „Neue“ regelmäßig Gespräche mit dem Vorgesetzten über seine Erfahrungen und Eindrücke während dieser ersten Phase führen kann. Dabei sollte er durch den Vorgesetzten zu einer offenen Stellungnahme aufgefordert werden: Einerseits können so Missverständnisse und Unstimmigkeiten thematisiert und ausgeräumt werden. Andererseits erhält auch das Unternehmen wichtige Informationen und Anregungen von einem noch nicht „betriebsblinden“ Mitarbeiter.

Darüber hinaus ist es empfehlenswert, dem Neuen einen festen Ansprechpartner aus dem Kollegenkreis zu benennen, der als „Pate“ die sukzessive Integration in die bestehende Unternehmensstruktur und -kultur fördert.

 

Psychologie der Einarbeitung

Die Einarbeitung hat einen starken Einfluss auf die spätere Leistungsfähigkeit des neuen Mitarbeiters: Es ist sicher wichtig, dass er eine direkte Beziehung zwischen seiner Leistung und den Arbeitsergebnissen sieht. Er muss erkennen, dass diese Arbeitsergebnisse etwas bewirken können und er somit einen sinnvollen Beitrag zum Erreichen der Unternehmensziele leistet.

 

Sie als neuer Mitarbeiter können ebenso viel zu einer „reibungslosen“ Integration beitragen:

 

Informationen einfordern

Natürlich sollten Sie in Ihrer Einarbeitungsphase intensiv von Seiten des Unternehmens unterstützt und informiert werden.

Trotzdem: Erfragen Sie selbst wichtige Informationen. Sie sollten vor allem darauf achten, dass Sie eine Funktionsbeschreibung Ihres eigenen Arbeitsplatzes und Funktionsbeschreibungen anderer, für Ihre Arbeit relevanter Positionen sowie einen Überblick über die Aufbau- und Ablauforganisation erhalten.

Je schneller und umfassender Sie sich über Ihren Arbeitsplatz und dessen Integration im betrieblichen Ablauf informieren, desto eher wird eine vielfach bestehende Unsicherheit abgebaut.

Sie erkennen formale und informale Zusammenhänge und unternehmensinterne Entscheidungen werden für Sie besser durchschaubar.

 

Ansprechpartner suchen

Es ist wichtig, dass Sie schnell verschiedene Ansprechpartner im Unternehmen finden zu denen Sie eventuell schon in der Anfangsphase einen persönlichen Bezug herstellen können. Warten Sie dabei nicht darauf, dass Sie von anderen angesprochen werden, sondern seien Sie selbst initiativ. Agieren statt Reagieren heißt auch hier die Devise.

Die schnelle Integration in ein soziales Netz unterstützt dabei Ihre Identifikation mit dem Unternehmen und führt zu einer höheren Arbeitszufriedenheit.

Fordern Sie schon frühzeitig von Ihrem Vorgesetzten, aber auch von Ihren Kollegen ein offenes Feedback.

 

Eigene Ideen einbringen

Wenn Sie neu in ein Unternehmen kommen, sind Ihnen die betriebsspezifischen Abläufe in der Regel unbekannt. Sie gehen vorurteilsfrei an Aufgaben heran, sind noch nicht vollends an bestehende Gruppennormen angepasst und „leiden“ noch nicht an der häufig anzutreffenden „Betriebsblindheit“.

Und das ist auch gut so! Seien Sie sich dieser Vorteile bewusst und bringen Sie entsprechend – zurückgreifend auf Ihre Erfahrungen während der Studienzeit oder in anderen Unternehmen – eigene Ideen gezielt in den Arbeitsalltag ein.

Denken Sie daran: Auch das Unternehmen erwartet von Ihnen Innovationsimpulse.

Bei aller Initiative sollten Sie sich jedoch folgendes stets vor Augen führen: Vermeiden Sie es, Ihren Vorgesetzten unbedingt schon nach der ersten Woche eine revolutionäre Umstrukturierung der gesamten Abteilung zu empfehlen – das erwartet nämlich niemand von Ihnen!

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AUTOR/-IN
Edmund Mastiaux
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