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Contracting, Outsourcing und Freelancerbörsen sind auf dem Vormarsch

Permanente Festanstellung und Fünf-Tage-Woche werden in Zukunft nur noch eines von vielen Formaten in der Arbeitswelt sein. Das verändert auch die Praxis des Mitarbeitereinsatzes in Kommunen und kommunalen Unternehmen – die Muster der neuen Formate sind längst erkennbar.

 

Wir haben in Zukunft die Aufgabe, neue Quellen von Arbeitsleistung zu erschließen. Dazu gehört der Einsatz von Robotern, den wir beschrieben haben, dazu gehört aber auch der Rückgriff auf externe Ressourcen. Dazu ein Beispiel:

Dennis Vorobyov lebt in der Ukraine. Er arbeitet als Webseitenprogrammierer. Seine Kunden sitzen rund um die Welt, unter anderem in Europa und den USA. Er verkauft seine Dienste auf Stundenbasis über die Plattform Upwork.com, genauso wie 120.000 weitere IT-Spezialisten aus diesem Land. Vorobyov verdient so mehr als seine Mutter, eine hochqualifizierte Ärztin. Sein Geschäftsmodell ist eine typische Win-Win-Situation. Der Kunde profitiert, weil er qualifizierte Arbeit zur sehr günstigen Stundenlöhnen bekommt. Der Mitarbeiter in der Ukraine profitiert, weil er sich über das Netz Kontakt zu Auftraggebern in aller Welt verschafft.

Dieser neue Typus verändert auch bei uns den Arbeitsmarkt. Arbeitgeber werden sich über diese Internet-Marktplätze den Zugang zu jenen Arbeitskräften sichern, die sie auf dem heimischen Markt nicht mehr finden. Diese Veränderung ist längst im Gange und unaufhaltsam. Ganz gleich, ob es sich etwa um Programmierleistungen, Webdesign, Übersetzerleistung, Datenbankbearbeitung, Organisationsberatung oder allgemeine IT-Projekte handelt, statt einer Stellenanzeige „Web-Programmierer gesucht“ werden wir uns in Zukunft an Plattformen wie Upwork.com, Elance.com oder PeoplePerHour.com wenden und dort binnen Stunden unseren Bedarf abdecken.

Natürlich spielen hier die besonderen Bedingungen der öffentlichen Hand weiter eine Rolle. Wenn Sie sagen: „Hoheitliche Aufgaben können wir nicht fremdvergeben“ und „Die öffentliche Hand steigt nicht in das Lohndumping ein“, dann sind das sicher starke Argumente. Ob diese aber Gründe liefern, die Chancen dieses neuen Arbeitsmarktes ungenutzt vorbeiziehen zu lassen, wird sich in Zukunft zeigen. Die öffentliche Hand hat eine Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler und dem, was ihre Kunden, die Bürger, zu Recht als Lebensqualitätsbeitrag erwarten.

Unternehmen stellen sich längst darauf ein, ein Heer von externen Wissensarbeitern zu steuern. Es macht sie flexibel, weil es die Fixkosten senkt; es macht sie innovativ, weil sie auf State-of-the-art-Wissen von den Besten am Markt zurückgreifen können – und, das ist auch für die Arbeitgeber der öffentlichen Hand wichtig: Sie können ihre eigenen, wertvollen Mitarbeiter für Aufgaben einsetzen, die besonders wichtig für die Kernkompetenz und damit nicht auslagerbar sind.

Zudem bietet das neue Arbeitsformat einen Weg aus der Fixkostenfalle. Denn typischerweise sind die Personalkosten in der alten Denkweise eine kaum oder nur sehr langfristig veränderbare Größe.

Sie fallen auch dann an, wenn die für eine Aufgabe eingestellten Mitarbeiter keine Verwendung mehr finden, weil sich die Aufgabe erledigt oder verändert hat. Hier verschaffen die Freelancerbörsen und jede Art von anderen, nichtkonventionellen Arbeitsformaten eine wichtige Entlastung: Der Zugriff auf die Ressource Arbeit wird flexibilisiert. Bei allen Aufgaben, die nicht in die hoheitliche Kernkompetenz fallen, kann der Zugriff variabel erfolgen – nämlich genau immer dann, wenn es der tatsächliche Bedarf erfordert. Denn kein Bedarf heißt in der neuen, flexibilisierten Welt auch: keine Kosten mehr für den Arbeitgeber.

Zudem öffnet das neue Beschäftigungsformat auch die Türe zum Konzept der virtualisierten Organisation – nicht mehr alle Arbeitsvorgänge müssen von eigenen, fest angestellten Vollzeitmit- arbeitern an einem Wirkungsort erbracht werden. In der Privatwirtschaft ist die Idee vom fluiden Unternehmen schon längst Praxis. Auch in der öffentlichen Verwaltung wird sie, wo im Rahmen des hoheitlichen Auftrages anwendbar, Verbreitung finden. Für die Kernkompetenz wird es dabei auch in Zukunft eine Kernbelegschaft geben. Aber für alle Aufgaben um diesen Leistungskern herum wird sich die öffentliche Hand dem neuen Format zum Vorteil aller öffnen.

Aus “13 Impulse für Ihre Personalarbeit” von Edmund Mastiaux, 2018

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