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Alternde Baby-Boomer verändern jede Belegschaft

Die geburtenstarken Jahrgänge wandern in der Bevölkerungspyramide weiter hoch. Inzwischen erreicht die am stärksten besetzte Altersgruppe im Arbeitsleben die Schwelle des Rentenalters. Das wird zur Folge haben, dass viele Elemente unserer Personalarbeit neu gedacht werden müssen.

Das, was uns erwartet, hat längst einen Namen. „Alters-Tsunami“, so hat FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher das Kommende genannt – und diese Entwicklung ist bereits in sehr greifbarer Nähe. Dass in Deutschland die Arbeitsbevölkerung altert, ist allgemein bekannt. Aber schon im Jahr 2020 werden in Deutschland 2.500 Berufstätige altersbedingt aus dem Arbeitsleben ausscheiden – und zwar pro Arbeitstag – wie der Informationsdienst Trendscanner in einer Hochrechnung ermittelte.

Diese Zahl zeigt: Die Alterung der Gesellschaft ist kein abstraktes Problem, sondern wird uns bald ganz konkret betreffen. 2.500 Berufstätige pro Tag weniger: Damit werden wir alle zu kämpfen haben.

 

Woran liegt das? In den kommenden Jahren werden die sogenannten Baby-Boomer in den Ruhestand gehen, also jene Mitarbeiter, die zwischen 1955 und 1967 geboren wurden. Die Baby-Boomer stellen derzeit die am dichtesten besetzte Altersgruppe im Arbeitsleben. Sie befinden sich im letzten Drittel ihres Berufsweges. Diese Gruppe, die einst die Fix & Foxi-Comics groß gemacht und den Begriff „Massenuniversität“ geformt hat, wird bald den nächsten großen, noch nie dagewesenen Umbruch in der Arbeitswelt prägen.

Aus dem „viele rein“, was wir vor 40 Jahren hatten, wird dann ein „viele raus“. Ab 2020 erleben wir damit etwas, was wir so noch nie hatten: Die Arbeitsbevölkerung wird so schnell schrumpfen wie nie zuvor.

Dazu dieses Zahlenbeispiel: Der Jahrgang der 20-Jährigen, der in drei Jahren die ausscheidenden 65-Jährigen beerben könnte, umfasst nur 778.000 Menschen. Der ausscheidende Jahrgang ist aber deutlich größer als der eintretende. Es ergibt sich eine Deckungslücke von 352.000 Mitarbeitern in nur einem Jahr. Das ist so, als hätten die Konzernriesen Daimler und Deutsche Post zusammen keine Mitarbeiter mehr. Dieser Abgang wird fast jedes Unternehmen und fast jeden Arbeitgeber treffen.

Der „Aderlass“ wird sich nach 2020 jedes Jahr wiederholen. Nur fünf Jahre nach dem Anfang der Baby-Boomer-Pensionierungswelle wird sich die jährliche Lücke fast verdoppelt haben. Dann verliert die Arbeitsbevölkerung in einem Jahr sogar 660.000 Menschen. Bis zum Jahr 2029 wird diese Alterswelle weiter rollen. „Dagegen ist das, was wir bisher an Alterungseffekten gesehen haben, ein harmloses Vorgeplänkel“, sagt der Demografie-Experte Ton Koper von der Basler Powerage Foundation.

Denn seit 1999 ist die Arbeitsbevölkerung ziemlich konstant geblieben, nur etwas gealtert. Was oben wegfiel, wuchs unten bei den Jüngeren nach. Mit dem Plus aus der Einwanderung gab es in manchen Jahren sogar einen leichten Zuwachs. 45,5 Millionen Erwerbspersonen gibt es in Deutschland derzeit, ermittelte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). In Zukunft aber werden sich hier die Quantitäten stark verändern.

 

 

Aber welche Organisation der öffentlichen Hand kennt ihre Alterspyramide? Beim Blick auf den Altersaufbau offenbaren sich die Realitäten, denen die meisten Behörden, Stadtverwaltungen und Ministerien ins Auge sehen sollten. Als Beispiel mag die Stadtverwaltung Essen gelten: Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter der Stadt Essen liegt heute schon bei 46 Jahren, in einigen Fachbereichen sogar noch darüber. In den kommenden 15 Jahren werden 42 Prozent der Mitarbeiter altersbedingt ausscheiden, wie der Personalbericht dokumentiert. Das zeigt, dass hier der „Alters-Tsunami“ besonders heftig wirken wird.

Wichtig für Ihre Personalstrategie werden deshalb Maßnahmen sein, die es erlauben, diese turbulente Zeit bestmöglich durchzustehen. Wie Arbeitgeber das angehen können, zeigt ein Beispiel, das wir bei der Lufthansa AG gesehen haben und zur Nachahmung empfehlen. Es ist einfach anzuwenden – die Fluggesellschaft arbeitet mit einem Ampel-System. Für jede wichtige Berufsgruppe wird ermittelt: Bestand, Abgang in den nächsten fünf Jahren, Bedarf in den nächsten Jahren. Je nach Status wird dann ein „Grün“, „Gelb“ oder „Rot“ vergeben. Und „Rot“ bedeutet: Wir müssen dringend Nachwuchs für diese Positionen beschaffen.

Längst nicht alle Arbeitgeber können es sich leisten, die bewährten „alten Hasen“ einfach so gehen zu lassen. Sie werden gegensteuern und versuchen, sie zu halten, zum Beispiel mit Teilzeitangeboten oder so genannten Tandem-Stellen, die sich ein junger Einsteiger mit einer erfahrenen Kraft teilt. Langfristig wird sich das Arbeitsleben deutlich verlängern – trotz der Rente mit 63. Viele Menschen entscheiden sich künftig bewusst dafür, über gesetzliche Grenzen hinweg tätig zu sein.

 

Aus “13 Impulse für Ihre Personalarbeit” von Edmund Mastiaux, 2018

AUTOR/-IN
Edmund Mastiaux
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