Die persönliche Ressource „Sinn für Humor“ als Coping Mechanismus für ein hohes Work Engagement

Autorin: Yanna Schneider

“Wer lacht, hat noch Kapazitäten.” Falsch! Wer lacht, schafft Kapazitäten!

Menschen in der Arbeitswelt versuchen sich ständig neue Arbeitsressourcen anzueignen bzw. aufzubauen, um beispielsweise persönliches Wachstum zu erzielen, stetig zu lernen oder ein hohes Work Engagement zu erleben. Das Work Engagement wird dabei als ein positiver Zustand während der Arbeit bezeichnet, der durch Vitalität, Hingabe und Absorption gekennzeichnet ist. Für ein Unternehmen ist ein hohes Work Engagement der Arbeitnehmenden von besonderer Bedeutung, da es die Leistung der Arbeitnehmenden verbessert, die Gesundheit dieser fördert und zu weniger Fluktuationen führt. Vor allem in der heutigen Arbeitswelt können sich verschiedene Arbeitsanforderungen wie beispielsweise ein zu intensives Leistungs- und Zeitpensum oder Konflikte mit Kollegen negativ auf die Höhe des Work Engagements auswirken. Demnach ist es wichtig, verschiedene Ressourcen aufzubauen bzw. zu stärken, um jene Arbeitsanforderungen positiv bewältigen zu können.

Neben Arbeitsressourcen wie einem adäquaten Feedback oder der persönlichen Kontrolle über die eigene Arbeit gibt es weitere persönliche Ressourcen, die dazu beitragen, Arbeitsanforderungen zu reduzieren und ein hohes Work Engagement fördern. Darunter zählt unter anderem die Charaktereigenschaft des „Sinns für Humor“.

Menschen mit ausgeprägtem Sinn für Humor haben die Fähigkeit Humor zu produzieren, Humor anderer zu verstehen und sind in der Lage, kritische bzw. bedrohende Situationen mit Hilfe ihres Sinns für Humor zu bewältigen. Schon der britische Psychologe Norman F. Dixon argumentierte, dass der Sinn für Humor eine besondere Charaktereigenschaft darstellt, um Stresssituationen bewältigen zu können, da Menschen mit einem positiven Sinn für Humor ihren Blick auf das Positive innerhalb einer herausfordernden Situation legen können. Die Neubewertung wirkt sich positiv auf die mentale Gesundheit und das Selbstwertgefühl aus und führt zu einem positiven Work Engagement. Zudem werden Menschen, die einen positiven Sinn für Humor aufzeigen, als angenehmer, sozial verträglicher oder anpassungsfähiger wahrgenommen und als sozial kompetenter dargestellt. Dies wiederum kann dazu führen, dass die Arbeitnehmenden bei hohen Arbeitsanforderungen besondere soziale Unterstützung erfahren und demnach ein hohes Work Engagement erleben.

Aus den oben genannten Erkenntnissen lässt sich somit ableiten, dass der Sinn für Humor eine wichtige persönliche Ressource ist, um Arbeitsanforderungen zu reduzieren bzw. eine Neubewertung einer stressenden Situation vorzunehmen. Demnach sollten Arbeitgeber versuchen, jene Charaktereigenschaft gezielt zu fördern, indem sie beispielsweise spezielle Humorinterventionen im Unternehmen anbieten.

The 7 Humor Habits Program (7HHP) von Paul McGhee entwickelt
Das bekannteste und mit am häufigsten in der Praxis verwendete Humorinterventionsprogramm heißt The 7 Humor Habits Program (7HHP) und wurde von Paul McGhee entwickelt. Bei diesem Programm handelt es sich um ein standardisiertes Programm, das theoretische und praktische Inhalte verknüpft. McGhee unterscheidet dabei zwischen „Home Play“-Übungen und „Humor Log“-Übungen. „Home Play“-Übungen sind gezielte Übungen für die Verhaltenskomponente. Beispielsweise sollen Teilnehmende ein herzliches Lachen üben oder aktiv verbalen Humor erzeugen. „Humor Log“-Übungen sind hingegen kognitive Übungen, bei denen die Teilnehmenden sich aktiv mit Fragen bezüglich ihres Sinns für Humor auseinandersetzen sollen. Diese Fragen sollen dann in einem Humortagebuch beantwortet werden. Das Programm verfolgt die Ziele, positive Emotionen zu fördern, die emotionale Belastbarkeit einer Person zu erhöhen und den Teilnehmenden bewusst zu machen, dass eine Charaktereigenschaft grundsätzlich trainiert werden kann. Im Nachhinein können Teilnehmende selbstständig überprüfen, ob die Intervention für sie erfolgreich war oder nicht.

Quellen:
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Dixon. N. F. (1980). Humor: A cognitive alternative to stress? Stress and anxiety, 7, 281-289. Washington, DC: Hemisphere.
Hehl, F.J. & Ruch, W. (1985). The location of sense of humor within comprehensive personality spaces: An exploratory study. Personality and Individual Differences, 6(6), 703-715.
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